24. November 2016

Bei Tieren sind wir doch alle Rassisten



Ich hab es satt.

Wieder einmal, ein Aufschrei durch die sozialen Medien. Ein 2jähriger, gesunder Schäferhund wird eingeschläfert. Dummerweise vor laufender Kamera. Menschen empören sich, sind erschüttert und entsetzt. 

Und ich habe es so satt. Wir lassen unseren Katzen ein Bein amputieren, Hunden mit gelähmten Hinterbeinen werden Rollwägelchen untergeschoben und der Verzehr von Pferdefleisch wird als widerlich abgewertet. Aber eine Kuh, die mit 4 Jahren geschlachtet wird, weil sie nicht mehr genügend Milchleistung hat, das ist schon okay.

Vor einiger Zeit kam mir ein Post auf FB unter, in dem jemand nach neuen Plätzen für ein paar Ponys sucht. Der Text dazu erzählte, dass die Pferde von einem Tiertransporter gerettet wurden. Sie standen, so hieß es,  unter unzähligen Kühen, die auf dem Weg zum Schlachthaus waren. Und man kommentierte mit Ach-wie-schrecklich und Du-bist-ein-guter-Mensch  Bekundungen. Meine Frage, ob denn schon jemand für die Rinder gefunden sei, blieb unverstanden.

Ich habe es satt, weil ich den Unterschied zwischen einem Schwein und einem Hund nicht verstehe, noch zwischen einer Kuh und einem Pferd.  Und dennoch, die Aufschreie über getötete Schweine halten sich in Grenzen. Eine Horde Rinder auf dem Weg zum Schlachthaus spielt keine Rolle. Unser gutes Menschschein reicht eben nur für vier Ponys.

Unsere Haustiere existieren nur, weil wir sie züchten. Und die meisten werden geboren, erleiden ein kurzes, sinnloses  Leben, nur um nach einem langen Transport geschlachtet zu werden.  Das hat sich der Mensch so ausgedacht.

Und nahezu jedes Schwein, mag es auch noch so ein tiergerechtes Leben führen, frei herum springen dürfen und im Schlamm wühlen können, wird am Ende getötet werden, obwohl es völlig gesund ist und sehr jung. Es ist schlau, lernfähig, empfindsam, hat ein höchst ausgeprägtes Sozialverhalten und wer es näher kennt, schließt es ins Herz.

Der einzige Unterschied zu unserm Hasso ist, dass es nur zum Töten geboren wurde. Damit  ist es weniger wert als ein Tier, dem eine längere Lebensspanne zugedacht wurde.

Liebe Empörer, spart Euch eure Verlogenheit. Ein bisschen auf Facebook den Tierarzt beschimpfen während man sich Milch in den Kaffee gießt und sich abends beim Schnitzel noch einmal über das Schicksal von Schnuffi aufregen, das ist albern.


Aber unter all den Tieren sind wir Mensch wohl einfach die größten Rassisten.

19. November 2016

Führer war alles better!

Ei, wer klopft denn da?


Und alsbald wir wieder aufmarschiert,
wird im Gleichschritt gestapft und getreten.
Eine starke Hand wir proklamiert,
und um Führung gebrüllt nie gebeten.
Neue Werte  als alt retuschiert
umkleiden die Dinge, die niemals so waren.

Es hat sich Angst als Sehnsucht getarnt,
sich zu schlichteren Formeln gewandelt.
Das fremde Andre es sei gewarnt,
ab heute wird wieder gehandelt.
Wirre Ideen so wachsam umgarnt
umspannen die Dinge, die niemals so waren.

Nie war es gut, nie war es so schlecht,
und  immerdar doch nur beschissen.
Kein Leben gut,  kein Schicksal recht,
den Rest will man lieber nicht wissen.
Die Wut schon immer als dienlicher Knecht
befeuert die Dinge, die niemals so waren.

Das Übel verwurzelt in tieferem Schlamm,
nur fehlt uns der Mut es zu stechen.
Das Röslein und das Opferlamm,
wie schön ist es doch sie zu brechen.
In aller Masse wiegt Schuld nur ein Gramm
gewogen von Dingen, die niemals so waren.

Das Denken versiegt in niemandes Land,
Die Wurzeln gedeihen im Dunkeln.
Ganz leise hinten am äußersten Rand
ist noch  Weinen, Raunen und Munkeln.
Freiheit und Gleichheit sind Hand in Hand
beim Verlassen der Dinge,  die niemals so waren.


16. Februar 2016

Bonusrunde


...




Neulich rief mich die Frau meines ehemaligen Chefs an. Seit ich, aufgrund der Akkumulation von Ereignissen wie zum Beispiel diesem hier: Chef und Wirklichkeit die Welt des Klauenschneidens verließ, hatten wir keinen Kontakt mehr.Über ein Jahr ist das her.

Ich vermute eine Notaushilfeanfrage. Nach obligatorischem Wie-gehts-dir-Danke-gut-und-selbst kommt es dann anders. Sie redet von Netzwerk aufbauen und einem Vortrag am Donnerstag Abend. Ich will wissen, worum es geht. Wäre schwer zu erklären am Telefon. Ich bin unsicher, ob sie mein Holperschwedisch meint und versuche nochmal auf Englisch Genaueres zu erfahren. Scheitere. Bin zögerlich. Sie versichert mir, es ist nur ein Infoabend.

Ich versuche, dem Herrn Dinkelacker den Grund des Anrufs wiederzugeben. Er kommt überhaupt nicht mit, was ich denn da rede. Sind wir schon zu zweit. Vielleicht haben sich ja die Landwirte für irgendwas zusammen getan oder so. Und wenn es doch nur ist, was ich insgeheim befürchte, dann wird es eben eine Abendunterhaltung der anderen Art.
So fahre ich mit zum Vortrag. Vorab gibt es einen Kaffee und eine Einführung von ihr. Sie zeichnet was auf von den vier Möglichkeiten, Geld zu verdienen.Ich kämpfe gegen meinen Impuls an, mich zurück in die Lehne fallen zu lassen, zwinge meinen Blick wieder auf das Papier und gedenke der vier Möglichkeiten, für blöd verkauft zu werden. Da sind wir schon bei der Preiszusammensetzung eines Produktes von den Herstellungskosten bis zum Einzelhandel. Selbstredend gefolgt von der Erkenntnis, dass man den Anteil eines Preises, der durch Zwischenhändler, Lieferanten und Werbung entsteht, selbst einstreichen kann, übernimmt man nur deren Aufgaben. Das Ganze garniert mit Name von Unternehmern und Wirtschaftswissenschaftlern. Sie redet schnell. Meine Blicke schweifen, ich betrachte die kahlen Wände. Als ich wieder bei ihr ankomme, ist sie gerade dabei,von Produkten zu schwärmen. Das zieht sich. Dann kommt irgendein Punktesystem daher, Prozente schwirren. Ich grinse. Sie frägt, was ist. Und ich meine, ich hätte nicht verstanden, worum es denn jetzt genau ginge und was man konkret tun müsse.

Da aber werden wir zum Vortrag gebeten. Anzüge sitzen und stehen herum, deren Füllungen sich von ihnen erhoffen, seriös zu wirken. Die Damenwelt ist etwas vielfältiger schlecht gut gekleidet. Der Raum in dezentem Verhörzimmerstil, erscheint doch alles sehr mit Bedacht aufeinander abgestimmt.

Der Vortrag. Es beginnt mit der Diamantensuche, bei der man Stein für Stein umdrehen muss und doch nie sicher ist, ob man fündig wird. Und schon sind wir bei den vier Möglichkeiten, Geld zu verdienen und bei der Preiszusammensetzung eines Produktes von der Produktion bis zum Einzelhandel. Selbstredend gefolgt von der Erkenntnis, dass man den Anteil eines Preises, der durch Zwischenhändler, Lieferanten und Werbung entsteht, selbst einstreichen kann, übernimmt man nur deren Aufgaben. Das ganze garniert mit Name von Unternehmern und Wirtschaftswissenschaftlern. Ich habe noch nicht einmal den Sprung von der Diamantensuche zu den vier Möglichkeiten geschaft, da kommt auch schon die Produktpalette daher und wir tauchen auschließend ein in die Welt des Bonussystems, des Prozentrechnens und der Einnahmenbeispielrechnungen. Außerdem ist man sein eigener Herr, man kann selbst bestimmen, was und wieviel man tun möchte. Ich lasse mich auf dem Meer der Vermarktungsphrasen treiben, werde von Network marketing und Marketing network getragen. Die Zuhörer, allesamt schon Mitglieder der Geheimloge, lauschen aufmerksam dem wortgefüllten Nichts, nicken zustimmend und kichern mysteriös.

Am Ende des "Business Preview" Vortrages habe ich gelernt, dass bei einer Diamantensuche Steine umgedreht und nicht geklopft werden und dabei Haushaltsprodukte von überragender Qualität zu Tage kommen die, mittels eines Bonussystems zum Wohle aller, insbesondere durch gegenseitige Unterstützung im Team, die Einnahmen prozentual wachsen lassend eine einmalige Chance bieten und mich, nun wissend dass die Hälfte von 60% 30% ist, mich in ganz freier Entscheidung und mit dieser Strategie auf dem Erfolgskurs befindend meinen Träumen ein Stück näher kommen lassen. Natürlich sollte man weitere Kurse belegen, um erfolgreich zu sein, denn wie wir alle wissen, ergibt ein Verkaufswert von 5200 Kronen ein Gutschrift von 2400 VP, die sich ja dann ganz konkret auf dem Konto bemerkbar machen. Da versteht es sich von selbst, wie klever es ist, im Team zu arbeiten um Leute zu treffen und mit ihnen zu reden.

Die Michmitschleifende frägt ganz ergriffen, was ich den nun davon halte. Ich kann nicht antworten. grinse paralysiert, alle Nervenbahnen sind blockiert. Sie tippelt vor mir rum. Aber was, würge ich heraus, was tut man da denn jetzt genau? Das läge eben ganz bei mir, da bin ich ganz frei. Unversehens stehe ich einem Anzug samt Träger gegenüber, die schon besser miteinander auskommen. Ich zwinge mich, nicht die Arme zu verschränken. Er steht mir gerne für meine Fragen zur Verfügung, selbstverständlich auch auf Englisch.

Was täte man denn da dann eigentlich?
Das läge ganz bei mir.Ich hätte die Wahl.
Die Wahl zwischen was?
Ich könne ja einfach mal die Produktpalette ansehen, eine Zahnpasta braucht ja jeder, da könne ich ja einfach mal die Produkte ausprobieren.
Da gäbe ich ja Geld aus und nähme keines ein.
Nein, dazu müssen ich mir natürlich ein Netzwerk aufbauen.
Man müsste also Produkte vertreiben und wäre umsatzbeteiligt?
Das läge ganz bei mir, man müsse nicht Leute beraten, wenn einem das nicht läge.
Was könne man denn statt dessen tun?
Man könne ja auch erstmal nur den Shop nutzen und Produkte probieren. Außerdem gäbe es ja dann Kurse um Marketingstrategien zu lernen.
Strategien für was?
Na, um zu lernen, wie man die Dinge am besten erkläre und veranschauliche.
Also wie man Leute dazu brächte, da einzusteigen.
Nein, das läge ja ganz bei mir. Ich würde ja immer im Team arbeiten, da hätte man Unterstützung.
Bei was?
Wie man was sagen und erklären könne, falls es Probleme gäbe.
Danke, das wäre sehr aufschlussreich gewesen, ich hätte keine Fragen mehr.

Ich treffe die freie Entscheidung mich zu verabschieden und warte vor der Tür auf meine Bekannte. Meine Lippen sind immer noch ganz gekräuselt. Im Auto frägt sie natürlich noch einmal nach. Ich meine nur, ich träfe sowieso nie Menschen und meine Freunde und Bekannte würde ich mal sicher nicht beschwatzen. Sie meint, das wäre ja nicht so, weil man ja in Teams arbeiten würde.
Wa...s
Falls man nicht so recht wisse, wie man was erklären solle, dann käme einer mit.
Mhmf ... m Team?
...
Ampf

Am Parkplatz torkle ich in mein eigenes Auto und fahre die letzten Kilometer ganz angeheitert nach hause. Ganz großes Kino war das.

 Das Internet lehrt mich, dass hinter der Sache die amerikanische Firma "Amway" steht, ein international agierendes, hochdotiertes Unternehmen mit Umsätzen im Milliardenbereich. 1959 in den USA gegründet, setzt es auf Direktvertrieb durch Netzwerkmarketing.Und natürlich ist das Netz voll von geplatzten Träumen, Onlineshops und glücklichen Amwayvertreibern, die gegen einen kleinen Obolus gerne ihr Video über erfolgreiche Marketingstrategien zur Verfügung stellen. Ich lese noch ein wenig weiter und bekomme endlich handfeste Informationen.

Immer wieder sehe ich nun diese Gruppe von Zuhörern vor mir, wie sie begeistert dem Vortrag folgt, dessen Worte ein jeder schon längst selbst auswendig gelernt hat. Sich einen solchen Abend bieten zu lassen und danach wieder zu kommen, das ist das wirklich imponierende an dieser Geschäftsidee.
Kommt schon, Leute, es gibt doch wirklich würdevollere Methoden, zu Geld zu kommen. Prostitution zum Beispiel, oder Hehlerei. Meine Zahnpasta werde ich wohl weiterhin im nächsten Laden kaufen, da bin ich ganz frei, da entscheide ich selbst.

10. Februar 2016

In eigener Sache- wie immer






Es ist sinnlos.

Es ist sinnlos, es weiterhin mit einem Blog zu versuchen, der sich einzig um Erlebnisse und Eindrücke in und um meine neue Heimat dreht. Folglich...

Nordtage wird nun erweitert zu einem Tagebuch, zu meinem Gedankentrichter, mal mit mal ohne Filter.Weil...

Mein Er-Leben ist nicht nur das neue Land. War es noch nie, kann es nie sein. Dummerweise nämlich habe ich ein großes, dickes Bündel Altes mitgenommen: mich. Das Bündel ist schon längst wieder komplett ausgepackt. Ein paar Sachen haben ich nicht gleich wiederentdeckt, waren vergraben von verwirrtem Zurechtfinden in einer anderen Umgebung. Nun aber ist alles wieder an seinem Platz, ausgegraben und eingeräumt. Die Schubladen sind aufgefüllt mit Ängsten,Träumen und Erinnerungen, mit Selbstmitleid, Egozentrik und festgefahrenen Ansichten. Weiter unten gibt es die Reihen mit Ratio, Weltanschauung und Wissen. An den Wänden wurden die Freundschaften aufgehängt. Die Dämonen sind wieder fein säuberlich in den Ecken aufgestellt, wo sie hingehören. Sie verlangen ab und an nach meiner Aufmerksamkeit. Sie treten auf mich ein, mir in den Arsch oder verführen mich dazu, dass selbiger größer wird. Manchmal gibt es ein Tässchen Tee zusammen,weiß ich doch, dass ich ohne sie nichts bin. Meine Wut und mein Unglaube über die Welt, die meine eigenen Spezies sich schuf und meine Freude an der Welt, die meine Spezies nicht schuf, sind stehts an meiner Seite. Etwas anderes habe ich auch nie erwartet. Nur gefällt mir jetzt die Gegend, durch die wir gemeinsam wandern besser.

Hier wie dort und überall werde ich doch nur ein Fremder sein. So vieles was meine Mitmenschen selbstverständlich tun, sagen, denken, fühlen und erstreben ist mir rätselhaft und fern. Schon immer, immer noch, immer wieder. Ich weiß...

Es gibt nichts zu tun, was andere nicht schon getan haben. Es gibt nichts zu sagen, was andere nicht schon gesagt haben. Es gibt nichts zu denken, was andere nicht schon gedacht haben.

Hier gibt es nun meinen Tunnelblick, meine rosa Brille und meine schwarzen Schatten.Trotzdem.
Ich taumle weiter himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt herum. Jetzt taumle ich eben durch endlose Sommertage und lange Winternächte.

Wer mitkommen will - willkommen!









25. September 2015

Das Gras ist auf der anderen Seite immer grüner

Wer in Schweden Berge in Alpenmanier vermisst sollte einen Abstecher nach Norwegen machen.
Wer nicht, auch. 


Das Gras ist auf der anderen Seite immer grüner.
In unserem heutigen Fall ist die andere Seite Norwegen.
Und das Gras sind die Berge oder die Landschaft, was ja wiederum in Norwegen zum größten Teil ein und dasselbe ist. Und irgendwo da haben wir uns im Juli drei Wochen rumgetrieben. Also wir, wie üblich, der Herr Dinkelacker, die Zimpfelsberger und ich.

Da meine Mütterlein, einstiger Bergfex, ganz bestimmt nie dieses Stück Erde bestaunen kann, habe ich ihr auf unserer Rundfahrt eine Brief geschrieben.

Hier nun diese ganz traditionelle, handschriftliche Reisebeschreibung für Bilder im Kopf.

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13-7-15   Norwegen, gerade auf der Insel Otterøya in der Region Nord- Trøndelag

Liebe Ma,
nun sind wir seit einer Woche unterwegs auf Urlaubsrundfahrt. Als wir telefoniert haben, waren wir ja noch in Schweden unterwegs. Kurz danach haben wir die Grenze nach Norwegen passiert. Und 120 km später waren wir in Trondheim, einer relativ großen norwegischen Stadt, über 1000 Jahre alt, glaub ich. Auf alle Fälle hat sie schon Geschichte aufm Buckel und so fühlt sie sich auch an. Richtig gut.

Trondheim liegt- wie könnt's auch anders sein- an einem tief ins Landesinnere eindringenden großen Fjord. Die ganze Gegend sieht schon sehr nach Alpen aus. Grüne Hänge, an denen gewaltige Bauernhöfe thronen, Wiesen und Almen mit Schafen und Kühen. Darüber beginnen endlose Mischwälder und zu den Gipfeln hin Büsche, Kräuter und schließlich Felsregionen mit Schnee an den schattigen Stellen. Statt Latschenkiefern wachsen Zwergbirken und Miniaturweiden, Moose und eine unglaubliche Vielfalt an Flechten ziehen sich über die Felsen. Überall fließen kleine Bäche, oben auf den Gipfelplateaus in bunter Stein- und Flechtenlandschaft gibt es Seen. 

An den tieferliegenden Berghängen sind zahllose Hütten aus beeindruckenden Holzstämmen gezimmert, so wie unsere Hütte war. Die Dächer sind oft absichtlich mit Gras und Sträuchern bepflanzt und auf manch einem alten Häuserdach hat sich bereits ein kleiner Wald angesiedelt. Da sprießen dann 1m hohe Kiefern auf dem Dach, nicht aus dem Dach. Wie das funktioniert, ist mir nicht ganz klar. Aber es sieht sehr nach Zauberland aus und man würde sich nicht wirklich wundern, wenn ein Troll oder die kleine Hexe aus dem Haus käme. Oder eben ich...

Das ganze Bergland ist natürlich viel weniger kultiviert als die Alpen. Entlang der Strassen gibt es viele Häuser und Höfe mit Bergwiesen, aber gleich hinter dieser Linie der Zivilisation beginnt "wildes" Bergland, in dem der ein oder andere Eigenbrödler den Winter abgelegen von aller dörflichen Gemeinschaft wartet, bis das Frühjahr wieder die Strasse frei gibt. Ich glaube, an diese Berge hat Astrid Lindgren gedacht als sie Ronja Räubertochter schrieb.

Mittlerweile sind wir von diesen zentraleren Bergen bis zur Küste gefahren. Wobei das mit der Küste so seine Tücken hat, denn alles ist so sehr von Fjorden zerklüftet, dass man vor lauter kurvigen Strassen und Pässen und Brücken und Tunneln und Fähren garnicht mehr weiß, ob man gerade einen See sieht oder das Meer und ob man auf einer Insel ist oder auf einer Landzunge. Alles ist Bergland, mal steiler, mal hügeliger, mal völlig bewaldet, mal felsiger. Und zwischen all den Bergen immer wieder das Meer, kleine Boote und Ebbe und Flut. Da gibt es dann also einen Bergbauernhof mit Almen und steilen Wiesen und unten am Steg liegt das kleine Boot vor Anker, mit dem man mal Einkaufen fährt, während Delphine vorbei ziehen und hinterm Hof Ren und Elch vorbei huschen... so in etwa. 

Ein wenig fürchten wir uns schon vor unserem "langweiligen" Zuhause: flaches Land, durchforstete Wälder, Kahlschläge, rechteckige Wiesen und schnurgerade Strassen. Ist schon unverschämt, was? Das ist Jammern auf hohem Niveau. Leben wir 10m neben dem See, radeln und laufen und reiten jeden Tag durch den Wald, sammeln Blaubeeren und Steinpilze kübelweise, finden mehr als 10 Autos vor der Ampel als stressig und dann auch noch jammern, weils uns nicht reicht. 

Naja, auf alle Fälle sind wir sehr beeindruckt und genießen es, wieder in für uns richtigen Bergen zu sein. Wir haben auch eine ziemlich anstrengende Bergwanderung gemacht, soviel steigen und steil hinauf gehen sind wir nicht mehr gewohnt. Die Zimpfelsberger hatte einen ganzen Gebirgszug für sich, keine Seele weit und breit, nur wir zwei Menschlein und der Hund, der über die Felsen ist wie eine Gams. Abends war sogar sie mal richtig fertig. Aber die läuft ja auch 3x um den Gipfel während der Herr Dinkelacker und ich uns mühsam 10 Meter Höhe erklettern, so scheint mir. 

Ach ja, eine anderen Bergwanderung, die über 2 Tage gedacht war mussten wir auf einen Tag verkürzen, weil es mir die Schuhsohlen von den Schuhen abgelöst hat während dem Wandern. Ein echter Grund zur Sorge für mich, so richtig gute, eingelaufenen, einfach perfekte Bergschuh waren das. 

Aber die Moschusochsen, die wir finden wollten,  haben wir trotzdem noch entdeckt. Die wurden da mal angesiedelt, oder wiederangesiedelt und trollen sich so in den Gebirgszügen eines Nationalparks rum. Und weil eben Nationalpark sind die Moschus nicht all zu scheu und wenn man sie entdeckt, dann kann man sie auch beobachten. 

Aber so, jetzt sind wir eben an der Küste, der Herr Dinkelacker und die Zimpfelsberger schlafen schon. Ich geh jetzt nochmal biesln und dann auch in den Schlafsack. Aber ganz komfortabel in einem kleinen Hüttchen, nicht im Zelt. man wird ja auch älter, gelle. 

14-7-15
Bis jetzt hats uns auch noch garnet mit Regen erwischt, trotz Bergstaulage und Atlantik. Daheim regnet es gerade durchgehend. Der Herrr Dinkelacker ist Fischen und danach gehen wir mal paar Stunden Bergeln. Danach irgendwie weiter die Küste hoch, gen Norden. Da gibts dann vielleicht auch eine Briefmarke für das hier. Jetz bastel' ich noch einen Umschlag...

Bussi...

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... besser hät ichs auch nicht schreiben können.


Wer noch ein bisserl mehr will als Vorstellungskraft, hier noch weitere Bilder





22. Mai 2015

Der Depp und das Internet


Was macht der Depp ohne Internet?
Jetzt hat es sich doch so begeben, dass wir eine gute Woche ohne Internet- und Festnetztelefonverbindung leben, ja dahinvegetieren mussten.
Wir brauchen das Internet, wir können nicht leben ohne das Internet.
Unsere Freunde, die müssen doch wissen, was wir machen und vielleicht lieber nicht, was wir denken. Der Herr Dinkelacker braucht das Netz um Fischereischweinskram zu recherchieren, zu kucken und zu bestellen. Ich brauch das Netz um, ja was mach ich da eigentlich. Bloggtexte schreiben natürlich. Blöd auf FB kucken. Vokabeln lernen und nachschlagen. Ein Mailchen hier und da. Und, uhm, rausfinden ob es ein Wohnmobil gibt, das so gebaut ist, wie ich es mir ausgedacht hab. Jägerschnitzelsoße lieber mit Mehl binden oder doch nicht? Und natürlich schau ich mir immer wieder eine Reihe Bilder von Tieren an, die ich gerade zeichne.
Und der Herr Dinkelacker muss doch unserem Autonarrnachbarn hinterhe spionieren, um fest zu stellen, dass 30 Fahrzeuge auf ihn zugelassen sind. Und für uns beide ist es natürlich unerlässlich stets zu wissen, was in Deutschland und Bayern los ist.

Wie man sieht, wir sind also wirklich, wirklich angewiesen aufs Internet.
Zumal wir uns das ganze Gesurfe mit dem Handtelefon sparen. Der Herr Dinkelacker ist wohl ein Mann von trauriger Berühmtheit hier im Lande der Daueronliner, er besitzt noch kein kleveres Telefon, man stelle sich vor.
Ohne Internet fällt mir wieder ein, dass ich da noch ein Schwedischbuch habe, so eines mit Seiten aus Papier, bedruckt, zum Umblättern. Und ein Lernprogramm auf dem PC. In den selben Macharten besitze ich auch eine Reihe von Foto- und Nachschlagwerken über Tier und Pflanze.

Anders ist die Situation für unsere Nachbarin. Sie hat Anfang Juni eine Ausstellung in einem Schaufenster. Ist also gerade in der heißen Phase von Noch-alles-fertig-kriegen und Dies-und-das brauch-ich-ja-auch-noch.
Sie ist wegen Muskelerkrankung in ihrer Mobilität ziemlich eingeschränkt. Ohnehin aber bekommt man die meisten Dinge von Dies-und-das nicht einfach so in Umeå (Bedenke, lieber Mitteleuropäer, Umeå ist die einzige Stadt hier).
Kurz, für sie ist das Internet der beste Weg, um an ihre Sachen zu kommen.
Die Nachbarin ist auch bereits ein großer Freund unseres Netzanbieters. Sie hatte schon die üblichen ausgiebigen Probleme und Diskussionen als sie hier her zog und einen Anschluss wollte.
Die Telia, so nennt sich das in jeder Hinsicht schwedische Pendant zur Telecom, wollte ihr damals weis machen, sie hätte ein nur sporadisch funktionierenden Anschluss weil a) ihr Modem nicht funktioniert undoder b) sie zu abseits wohne. Als dann a) das Modem sich als frisch von Telia geliefert herausstellte und b) sich ebenfalls zeigte, dass wir, ihre an derselben Leitung hängenden, nur 10 Meter entfernten Nachbarn, beste Verbindung haben, kam die Telia nach zahlreichen weiteren Telefonaten doch endlich in Gang.
Vermutlich hat keiner Probleme, diese Gespräche mit Callcentern, die sie damals und wir jetzt hatten, nach zu empfinden.
Telefon- und Internetanbieter haben vermutlich einen weltumspannenden Pakt geschlossen und eine internationale Satzung zum Umgang mit Kunden: lass sie immer wieder von vorne anfangen, erläutere ihnen stur, wie die Geräte einzuschalten sind, gib ihnen stets das Gefühl, dass sie zu blöde sind und die Schuld an ihnen liegt. Frage immer wieder sämtliche Nummern und Daten ab. Wenn sie laut werden oder ungehalten, halte ihnen das vor und erläutere ihnen, dass es absolut keinen Grund gibt, sich im Ton zu vergreifen. Erkläre ihnen noch einmal, das bereits alles überprüft wurde, und kein Fehler vorliegt. Wenn sie zu weinen anfangen, beende das Gespräch und übernimm den nächsten Kunden. Versprich einen Rückruf, falls sie nicht aufgeben wollen.
So kams dann auch dazu, dass uns ein Techniker zugesagt wurde.
Die Nachbarin und ich habe so rumgetratscht. Sie war ziemlich genervt, dass der Techniker erst in ein paar Tagen auftaucht. Wir haben spekuliert, wie denn nur unsere zwei Häuser eine tote Leitung haben können während der Rest des Dorfes fröhlich surft. Und blödelten so herum, und meinten dass der Bauer, der gerade all seine Entwässerungsgräben ausbaggert was zerhackt hat. Machte zwar keinen Sinn, weil besagter Bauer einiges entfernt liegt, aber Leute sinnlos beschuldigen gehört nun mal zu einem echten Tratsch. Haben uns aber ganz brav auch gleich ein bisserl geschämt dafür. Und gelacht, weil nein, nein, was für ein Blödsinn. Liegen ja auch noch ein Haufen Häuser dazwischen.
An zugesagtem Tag war weit und breit kein Techniker zu sehen. Haben wir auch nicht so wirklich erwartet, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Eine SMS aber für den Herrn Dinkelacker gabs, dass da ein größeres Problem ist und noch dauert.
Tags darauf war die Nachbarin auf ihrer Hundefahrtrunde, sie hat so ein Elektromobil. Sah sie einen Elektriker im Graben bei erwähntem Bauern rumspringen. Hat ihn angesprochen. Und ja, da im Graben, da sei ein Kabel zu flicken.
Moral von der Geschicht: immer fest die Nachbarschaft beschuldigen.
Und: spar dir deine Logik wenns um die Verlegung von Leitungen geht.

Am Erstaunlichsten aber: Eine Woche nicht online und überhaupt nichts verpasst.




9. Mai 2015

Tingeltangels zweiter Teil: Norwegen - Lofoten, Saltdal und der Rest

Hier der zweite Teil der Nordreise.
Es fängt an, wo Schweden endet, in Riksgränsen. Über den Ort gibts nicht viel zu sagen, zumindest nicht von uns, wir fuhren nur vorbei. Ein richtiger Skiort ist das.
Die Berge werden gen Norwegen auch langsam steiler und rauer und felsiger.

Mr. Plow
Wir fuhren auf der E10, eine der zwei Strassen die von Norrbotten nach Norwegen führen. Norrbotten ist Schwedens nördlichstes "Län", Län wie Bundeslandes, nur eben ohne Bund. Es ist größer als Bayern. Also zwei Strassen vom Größeralsbayernland in den Nachbarstaat. Wir fuhren auf der nördlicheren Route.
Hier nur die Strasse, Berge, unser Auto, Berge, mal ein Schneepflug oder drei Häuser. Wenn mir eines mittlerweile völlig einleuchtet, dann die Formulierung "die Alpen sind überlaufen".

In Norwegen waren die wenigen Haltemöglichkeiten bereits mit Autos aufgefüllt, Menschen standen rum, die bevorstehende Sonnenfinsternis erwartend. Mein primäres Bedürfnis aber war ein anderes und wurde von diesen ungewöhnlichen Menschenmassen vereitelt.  Das wiederum ließ uns dann an einer Tankstelle halten, und während ich es mit schmerzender Blase gerade noch in entsprechende Räumlichkeiten schaffte, versuchte sich Herr Dinkeleacker in der Fotografie der "Solförmörkelse".

Heute waren uns keine Sonnenstrahlen vergönnt, wieder einmal Wolkenhimmel. Und dann hat sich auch noch der Mond dazwischenquetschen müssen.


Irgendwann waren wir am Tagesziel, auf der Insel Andøya.
Es gab Schneesturm. Und den gleich mal so, dass unsere Vermieterin mit dem Auto im Graben gelandet war. Irgendwie wurde dann der Nachbar vorbei geschickt, um sich um uns zu kümmern. Wir bekamen den Schlüssel und konnten ins Zimmer.
Nach einem eher kurzen Spazierversuch über Schneematschwiesen widmeten wir uns gänzlich dem häuslichem Leben. Wir verlegten unserer Neugier auf  Atlantikwellen und Schneetreiben vom Fenster aus beobachten und bei Dunkelheit auf das norwegische Fernsehen. Alles ohne Regenjacke und Mütze, dafür kann man dabei Kaffee trinken und Essen die ganze Zeit.

Tags drauf machten wir eine Inselrundfahrt, wanderten im Schneeregen an der beeindruckenden Küste entlang und fragten uns, wieso es in Norwegen an einer Bäckerei ein Brezenschild gibt, obgleich die Brezn jetzt an sich auch hier unbekannt.

Dafür gabs Schnee und Sturm und Meer und felsige Berge und kleine Küstenorte und Hinweise auf lebhaften Tourismus im Sommer und einen eher jämmerlichen Versuch meinerseits mit den Skiern über schneeschmieriges Strandgras zu rutschen.

Versteinerte Riesenhaie aus dem Miozän sind noch heute vor der Küste Andøyas zu bestaunen. 








Unsere wieder aus dem Graben entfleuchte Vermieterin erzählte uns später, sie komme vom Nordkap, und das hier sei nun nicht Norden. Sagte sie zu uns, während wir 280km nördlich des Polarkreises standen. Leuchtete aber auch ein, wenn man sich nochmal 150km nördlicher und einen Monat länger Dunkelheit vorstellte. Uns wurde wieder klar, wie lang Norwegen eigentlich ist, und wie der Begriff Norden immer eine Frage des Standpunkts ist, ganz wörtlich genommen.
Des Morgens entdeckte Herr Dinkelacker eine der in Europa seltenen Lamamedusen, ein am Boden liegender Fellhnödel mit zahlreichen räkelnden bekopften Hälsen. Die Zimpfelsberger fand die Meduse aufregend, andersherum gabs nicht all zuviel Interesse. Die Meduse hat einfach ihre Lamahälse wieder eingezogen und die Lamaköpfe haben weiter geschlafen.



 
Einen Tag später, immer noch mit Schneegetöse, gings weiter zu den Lofoten. Nochmal anders. Nochmal steilere, felsigere Berge. Die Dörfer irgendwie zwischen Meer und Steilhänge gequetscht.  Nochmal lustiger Campingplatzbesitzer. Wegen dem Wetter gabs Fischermuseum und Aquarium inklusive sachlich neutraler Information über den Segen von Fishfarming und Ölförderung. Norwegen, erst war nur Fisch und ein hartes, armes bis bescheidendes Leben. Aber dann kam Öl und Tourismus und mehr Wohlstand.
Von außen mag dieses italienische Restaurant etwas
kühl wirken. Hat man es aber erst einmal betreten,
 so zeigt sich eine gemütliche, einladende Atmosphäre, die
 ausgezeichnet mit dem Speiseangebot wie Hamburger,
 Pommes und Filterkaffee harmoniert.


Heute hat Norwegen eine der höchsten Geburtenraten Europas, die Bevölkerung hat sich im letzten Jahrhundert verdoppelt. Zudem hat es eine hohe Zuwanderungsrate, was wir durchaus nachvollziehen können.
Nach der Kultur schließlich machten wir noch der Versuch italienisch zu Essen, ein dehnbarer Begriff.

Das Wetter brachte aber auch genug Schnee um mit den Skiern los zu ziehen. Direkt an unserer Bleibe führte eine weitläufige Loipe vorbei, bei der man mit der Zimpfelsberger im Zuggeschirr auf unkontrollierte Geschwindigkeiten  kam. Viel Spaß, ein paar Stürze und vielleicht auch bisserl mehr gelernt, wie man zwei Bretter mit offener Bindung in den Griff bekommt.

Tage später  dann noch ein Stück weiter raus auf das Lofotenspitzerl, das sich in den Atlantik bohrt. Reine, wo die Fische wehen im Wind. Und obendrauf gabs den berühmten horizontalen Niederschlag, ein durchaus ungewohnter Anblick. Alles weitere in Reine überspringen wir, weil in Alles Fisch schon dagewesen.
Von Reine gings mit der Fähre wieder aufs norwegische Festland, dann weiter Saltdals Berge, in denen kaum einer wohnt, aber an Feiertagen alle sind.


Bahnhof Nirgendwo


Wieder anders. Auch unsere Unterkunft und deren Betreiber. Die Unterkunft, Hotell Polarsirkelen,  ein Berg- oder Sporthotel aus einer anderen Zeit, vor einigen Jahren wieder zum Leben erweckt. Die Betreiber, umwerfend, lustig, geboren für das, was sie tun. Uns gaben sie das Gefühl, die ersten und besten Gäste zu sein. Wir wurden zum Rentierfüttern mitgenommen, erfuhren wie sie zu den Pächtern wurden und wie ihre erweiterte selbst erfundene Variante von Kniffel funktioniert.
Hier haben wir auch unser Skiwanderparadies entdeckt. Einfach genau was wir wollten. Und fix und fertig waren wir danach auch. Sogar die Zimpfelsberger.


Saltdals Winterlandschaft wurde offensichtlich von einem Graphiker entworfen.




Des Morgens waren es auf ein Mal viel mehr Menschen im Hotell Polarsirkelen, also mehr als uns beide und noch einen Gast. Ein Pass wurde wegen Sturm und Schneeverwehungen gesperrt, und so wurden all die Autoreisenden nachts ans Hotel gespült. Auf eine Schlag war dann aber auch wieder Ruhe, der Pass wurde geöffnet.

Und dann, dann irgendwann war wieder Tag der Abreise, viel zu früh, natürlich.
Noch ein bisschen norwegische Berge und Strasse, dann erkannten wir die Grenze. Oben auf dem Pass auf einmal reges Treiben. Nicht weil da etwa ein Zollhäuschen stand, nein da steht nichts, außer einem Schild. Aber hinter dem Schild beginnt Scooterland. Circa 2 cm hinter dem Schild parkenden Autos mit Anhängern, viele mit norwegischem Nummernschild. In Schweden ist Schneemobil fahren überall erlaubt, wo nicht ausdrücklich verboten, in Norwegen anders herum.

Bildunterschrift hinzufügen
Die Heimfahrt von Norwegen zu unserem nicht roten Schwedenhaus bedeutete dann einfach fahren und auf 500km insgesamt von Tür zu Tür ganze sieben mal abbiegen.
Da standen wir wieder, vor unserer Haustür.

Ein paar Tage später packte mich ein Lachanfall. Eine schöne, kurze Begegnung in Norwegen fiel mir ein. Wir sind da so den Hang hinauf zurück zum Berghotel aus einer anderen Zeit, da kam mir ein Skifahrer entgegen. Sprach mich auf Schwedisch mit deutschem Akzent an, in Norwegen. Wegen dem Hund vorne als Zughilfe. Der Skifahrer, Typ langer schräger Vogel, auch aus einer anderen Zeit, und ich blieben stehen. Gespräch. Ich erst Schwedisch, dann Englisch. Der Vogel fragte weiter, wo und wer, und wir gestanden, dass wir Deutsche sind. Daraufhin in Englisch er, dass er dachte wir sind Norweger. Sagte er, eindeutig mit deutschem Akzent. Irgendwie kamen Herr Dinkelacker und ich nicht so ganz mit, was das für ein Gespräch war, inhaltlich. Dann fragte Herr Dinkelacker ihn etwas wegen den Skifellen, und schwups, mitten im Gespräch fuhr er los, verschwand den Hang hinab und rief auf Schwedisch, wir sollten doch mal sehen, hier, wie gut das ginge, mit den Fellen bergab. Dabei riss er die Arme hoch und seine Hände waren das Letzte was wir von ihm sahen. Wir starrten hinterher. Weg war er, der Deutsche, der mit uns Schwedisch sprach in Norwegen.
Jetzt sind wir wieder an unserem See, dessen Eis seit Mai völlig geschmolzen ist. Winter ist auf alle Fälle rum, Ski verräumt, Schneeanzug gewaschen.
Wir warten auf den Frühling.Vielleicht ist er das auch schon.





14. April 2015

Tingeltangels erster Teil: Schwedens Norden





Nun wirds aber Zeit.

Noch ein paar Worte über unsere Winterreise bevor auch hier das erste Grün kommt.
Unsere Nordtour - wir hatten mit allem Glück.
Glück mit unseren angesteuerten Orten, Glück mit unseren Bleiben, Glück mit dem Wetter und nicht zuletzt Glück mit unseren Skifahr- und Orientierungskünsten.
Ganz abgesehen davon haben wir immer Glück mit uns. 
Mitte März gings los.
März ist die schönste Winterzeit, ich nenns Frühlingswinter. Tage sind lang, oft sonnig, die Temperaturen  nicht mehr tief. Trotzdem liegt Schnee und die Gewässer sind dick zugefroren.
Das Auto wurde also bepackt. 
Die Zimpfelsberger nach norwegischer Vorschrift tierärztlich beglaubigt entwurmt. Was soviel heißt, als dass man selbst das Mittel besorgt, zur Praxis fährt, den Tierarzt zuschauen lässt, wie man dem Hund das Mittel gibt, dann Stempel und Unterschrift in den Tierpass eintragen lässt und natürlich zahlt. Nicht das wir dann auf der Reise je auch nur einen Grenzer von weitem gesehen hätten.
Gut, Hund und Mensch ins bepackte Auto und los. Erstmal gen Norden, darum gings ja. Übernachtung an der Ostsee in Luleå. Aus und in das Hotel zu kommen war für uns Nichtnordler eine kleine Herausforderung, alle Wege eine Eisplatte.

Luleå: Das Flußdelta ist ein beliebter Ort um Drachen oder Hunde fliegen zu lassen.







Beim Frühstück nur wir und ein weiterer Gast im Raum. Der weitere Gast verspeiste geräuschvoll ein Ei nach dem anderen, auf dem Tisch und unter dem Tisch ein Schlachtfeld. Auch während er am Buffet stand stopfte er Essen in sich. Ich setzte mich taktisch klug mit dem Rücken zum Eierstopfer. Aber ich konnte mich nicht davon abhalten, über Kasper Hauser und verwilderte Kinder zu sinnieren. 


Motorschlitten als Mittel der Wahl: 
Damit war es bestätigt, nun waren wir im Norden.
Dann Weiterfahrt. 
Heute ist Fahrtag.
Man fahrt halt so, Schnee und Wald und sonst nix.
Abzweigungen und offene Flächen sind das aufregendste was passiert.
An einer Tankstelle trafen die jungen Wilden mit ihren Schneemobilen gerade ein. Eigentlich klar, die Mopeds der kalten Zonen, die 80ger des Nordens. Ab jetzt gehörten   Motorschlitten zum Gesamtbild. Also Schnee und Wald und Strasse und Scooterwege, auf denen man zwischendurch auch mit dem Hund spazieren kann, ohne bis zu den Oberschenkeln im Schnee zu stecken. 





Kurz vor Kiruna noch zum Icehotel hingefahren, muss man ja mal gesehen haben. Ist auch wirklich schön - innen.  Aber einfach mitten in einem Dorf, zwischen Häusern, Schuppen und Zelten, das nimmt einem irgendwie den Schwung aus dem Beeindrucktsein.

Dann Kiruna, die Minenstadt, die Eisenstadt. Sie gibt es, weil es dort Eisenerze gibt und der Mensch sie abbaut. Der berühmte Schwedenstahl und die schwedischen Gardienen...  Und weil nun unter Kiruna auch Erze sind an die man ran will, zieht die ganze Stadt in den nächsten Jahren einfach mal um, 5 km weiter. Ganz pragmatisch. Und ganz zum Nutzen aller zumeist gutverdienenden Einwohner.

Uns zog es dann doch 65 km weiter, in die Berge, bis ans Ende der Strasse, nach Nikkaluokta, einer kleinen Sami (die politisch unkorrekte Bezeichnung wäre zu deutsch "Lappen") Siedlung. Sie lebt von Bergtourismus und Rentieren. Wobei vermutlich der Tourismus für den Geldbeutel, die Rentiere für das Lebensgefühl.


Fuhrpark in Nikkaluokta: 
hundebetriebene und motorbetriebene Schlitten bereits abgeladen und in Betrieb.



Ausgezeichneter Service in Nikka: Hundehilfsantrieb zum Skiwandern steht bereit.

Humor in Nikka

















.
Schwedens höchster  Berg, der 2104 m hohe Kebnekaise ist von Nikkaluokta aus zu erreichen. Wir habens da nicht hin geschafft. Unterschätze nie die endlosen Weiten der schwedischen Berge. Aber wir wollten auch garnicht. Nicht die passende Ausrüstung, nicht die passende Kondition und keine Ahnung von Lawinen. Wir sind also lieber skigewandert, durch lockeren Baumbestand,der Einheimische nennt es Wald, und in Tal und See. Hier war sogar bisserl was los. Hundeschlitten, Scooter, Eisfischer, Skileute. Tags Sonnenschein, nachts Nordlichter, besser gehts nicht.

Ganz hinten rechts in den Wolken da ist er, der Kebnekaise.
Die Anreise könnte sich noch ein wenig ziehen.










Drei Tage später weiter, nach Abisko, einem richtigen schwedischen Skiort: Was heißen soll, es gibt noch was anderes als Abfahrtskifahren, wirklich. Wir haben uns wieder dem Skirutschen gewidmet und uns im Nationalparkzentrum gebildet. Jahrhundertelange Weidenutzung durch Rentiere haben die Landschaft zu dem gemacht was sie ist. Quasi die Hohen Tauern Schwedens. Nur das jetz der österreichisch Senn nicht als indigene Gruppe anerkannt ist.

Parkplatz Nationalparkzentrum Abisko
Und dann DER Supermarkt. Einfach der beste. eine langgezogene Halle mit niedriger Decke, man hatte eher das Gefühl gerade in Grönland zu sein. Es gab halt, was es gibt. Ordentlich gestapelt in Kartons und Blechregalen. Es gab eine Marke Nudeln. Fertig. Die Gemüseabteilung teuer und klein, ganz nordisch. Dann diese Überraschungen. Man bog ums Eck und schwups, da war noch ein ganzer Nebenraum. Erst war man sich nicht sicher, vielleicht ein Lagerraum. Aber nein, das gehörte schon zum Laden. Dann wieder so ein Nebenraum, gefüllt mit Süßkram in großen Packungen. All diese neuen Entdeckungen und Geheimnisse, Herr Dinkelacker und ich verloren uns aus den Augen und im Laden. Keinerlei Versuche der Kundenleitung,  keine Lockmittel, keine Sonderangebote. Warum auch, es ist der beste  Lebensmittelladen, weil der einzige. Herr Dinkelacker und ich fanden uns nach einer Weile wieder, beide äußerst vergnügt und beeindruckt.


Abiskos Wahrzeichen, Foto- und Mal- Schreib und Einfachallesmotiv, das Tor zu Lappland.





Die ersten asiatischen Touristen begegneten uns. Ein für mich völlig unerwartete und später noch häufiger auftretende Tatsache.Nein, das stimmt nicht, die ersten sahen wir am Icehotel, nur da hat es mich nicht gewundert.
Noch ein weiterer Tag im Nationalpark, noch ein paar weitere Versuche, Telemark zu üben und dann gings wieder weiter.Richtung Riksgränsen und dann auf nach Norwegen. Und ja, Riksgränsen heißt Reichsgrenze. Schweden ist ein Reich, weil, ja weil zum einen ja auch noch eine Monarchie besteht (dieser eine mit den Prostituiertengeschichten in einem Land in dem Prostitution verboten ist) und zum anderen kein Krieg verloren wurde. Besagtes Königshaus war  einst mit einem Reich des Größenwahns sehr gut befreundet, besonders mit dessen Führer, hat sich dann aber im Zuge der Neutralität ganz gut aus der Affäre gezogen und daher also, Ortsname und Funktion bleiben bestehen in "Riksgränsen".
Die Berge wurden dichter, der Schnee mehr. An der Grenze ist keine Seele zu sehen. Nur ein paar LKWs. 
Dann Norwegen....


Schwedens Berge: Der Alpensepp mag vergeblich warten, dass sie jetz dann mal richtig los gehn. 
Der Leser auch. Los gehts damit erst in Norwegen. 
Und das gibts beim nächsten Teil.


2. April 2015

Oberlehrer Skandinaviens

Folgebesuch beim Hälsocentral.
Im Zuge eines Projektes zur Minimierung der Herzkaschperlquote werden alle Gemeindemitglieder, die einen Runden 40ger, 50ger oder 60ger haben auf Zucker und Fettwerte hin untersucht. Beim ersten Besuch wurden mein Blutzucker gemessen und Blut genommen. Außerdem gabs einen Fragebogen auszufüllen. Fragen über Sport, wie viel  man sitzt, wie und was man isst, wie man sich fühlt, wie viel Freunde man hat, ob man in Vereinen aktiv ist, ob man niedergeschlagen ist, Alkohol und bla. Zu bewerten meist mit einer Skala von eins bis fünf.
Einiges an Seiten. Dauerte auch, da mir nun das Schwedische über solche Dinge nicht gerade geläufig ist.
Unklar ist mir, was jetzt meine Vereinsmeierei und meine Selbstmordgefährdung mit Blutfettwerten zu tun hat. Und auf besondere Begeisterung stieß bei mir die Tatsache, dass auf dem Fragebogen dick und fett meine Personennummer angegeben ist.

Nun bin nochmal da, um die Ergebnisse der Blutuntersuchung zu besprechen. Da packt sie, die Distriktschwester, auch den Fragenbogen wieder aus.
Und es wird schwedisch. Zu besprechen gilt alles, was ich nicht mit "mycket bra"- "sehr gut" angekreuzt habe.
Die schwedische Verwendung von Positivausdrücken erscheint einem Deutschen, ähnlich wie im Amerikanischen als, nun ja ziemlich inflationär und übertrieben. Dinge sind nicht schön oder gut, sondern wunderbar, herrlich, fantastisch. Das hat aber nichts, aber wirklich garnichts mit einer emotionalen Erlebniswelt zu tun, wie mir das durch meine Abstammung aus dem Südländischen vertraut ist, sondern damit, dass alles gut zu sein hat. Im negativen Bereich fehlen solche Übersteigerungen nämlich völlig.
Auf alle Fälle bedeutet dann "sehr" nicht die maximale Steigerung.
Ich also, ganz der sachlich Antwortende mit Hang zum Schwermut habe mich mit den SEHR Bereichen zurück gehalten. Und das muss dann natürlich besprochen werden, wieso ich mich nicht sehr zufrieden, immer glücklich und stets zuversichtlich fühle. Aus der Sache komm ich aber raus, als ich meine, dass Depressionen einfach in der Familie liegen und mir das auch klar ist.
Sport und Bewegung ist schnell abgehakt, die Ernährung das nächste Thema.
Ich fange langsam an, mich zu fragen, ob die das jetzt ernsthaft mit dem ganzen Fragebogen durchziehen wollen.
Ich scheine wenig Gemüse zu essen.
Wie bitte?
Wenn ich mir mit etwas sicher bin, dann dass ich für hiesige Verhältnisse viel Grünzeug esse. Hier gilt eher, Fleisch ist mein Gemüse.
Aber dann hab ich die Erleuchtung. Es wurde bei bestimmten Lebensmitteln gefragt, wie oft man das pro Woche isst. Und Gemüse wurden nur Kohl, Brokkoli und Karotten oder so genannt. Gut, auch das gelöst. "Mein" Gemüse, dass ich esse, ist hier anscheinend nicht zum Verzehr gedacht.
Dann wird mir noch angeraten, mehr Obst zu essen, wegen den Vitaminen. Gemüse ist gut wegen Mineralien. Hm, wer weiß, vielleicht ist ja das in niederländischen und dänischen Gewächshäusern aufgewachsene Gemüse tatsächlich ebenso vitamin- wie geschmackslos.
Außerdem habe ich keine Lust mehr. Ist ja nicht so, dass ich das mit 40 alles noch nie gehört habe.
Und dann kommts wieder.
Immer wieder kommt das. Die Gebetsmühlen, Sätze die man ständig hört, immer der ganz gleiche Wortlaut.Vielleicht mussten die das in der Schule alle auswendig lernen.
Heute war es wieder mal als Nicht- bzw. Spätfrühstücker "das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit am Tag" und "Milch und Milchprodukte sind sehr gesund, besonders wegen dem Calcium".
Ich lasse das einfach durch, spare mir jegliches Nachfragen. Es ist dieses "einzig Richtige", das mich manchmal so ermüdet.
Und dann fällt mir etwas ein, was ich in einem Artikel über die gegenseitigen Betrachtungen der Nordländer untereinander gelesen habe: "die Schweden sind die Oberlehrer Skandinaviens".
Ja und dann natürlich, dann trifft er mich, der Oberlehrer, mit einem seiner Lieblingsthemen.
Das Rauchen.
Sie rauchen. Ah ja, das ist natürlich schon ungesund.
Ich stimme zu.Tatsache, ich weiß das.
Mir wird nochmal erklärt, das sei ein Risikofaktor, die Folgen werden mir aufgezählt.
Ich stimme zu. Erinnere mich an einen Hausarzt, der einmal zu mir meinte  "aber 5 Zigaretten am Tag, dann rauchen sie doch nicht".
Ob ich schon mal  aufhören wollte.
Ich sag nein.
Aber das wär doch so ungesund.
Ich stimme zu. Oberlehrer, das geht mir nicht mehr aus dem Kopf.
Ich sage, hätte kein Bedürfnis auf zu hören. Und da wird sie nervös. Was tun... Sie erklärt mir, es gäbe hier und da Unterstützung. Ich sag immer nur ich weiß. Sie gibt lange nicht auf. Dann sage ich, ich hätte ja schon alles andere an den Nagel gehängt, dass ist die einzige Sünde die mir noch bleibt. Irgendwie ist das Thema damit abgewürgt.

Auf dem Heimweg habe ich immer noch das Gefühl, auf einem Gesundheitstag für Schüler teilgenommen zu haben.
Gesund und sicher, alles richtig machen. Eine perfekte Existenz. Aber Leben, wo bleibt das Leben, ich meine das Leben leben, also Leben, wie soll ich sagen...

27. März 2015

Alles Fisch

Wieder weitere Worte. 
Wieder aus fernerer Ferne als wir sonst fern sind.
Eh klar, kommt drauf an wo und von wo nach wo und was wo nah ist.
Dem Amerikaner ists vermutlich ziemlich wurscht, entfernungsmäßig, ob wir in Deutschland sind oder in Schweden oder in Norwegen.
Für den Süddeutschen wiederum ist es schon ein Unterschied, ob wir in Österreich Ski fahren oder in Nordschweden. Andererseits ists ihm wahrscheinlich auch ziemlich wurscht, mentalitätsmäßig.
Wir jedenfalls haben uns in die Lande der Mitternachtssonne geschwungen. Mitternachtssonne im Juni, Mittagsmond im Dezember. Mittagsmond hat sich jetzt nur nicht so zum Schlagwort entwickelt.

Zur Zeit sind wir in Norwegen auf den Lofoten unterwegs, einer Halbinsel- und Inselgruppe, die sich gen Westen in den Atlantik zieht. Berge, Meer und Schnee. Also Berge, richtige Berge, steil und zerklüftet und massiv. Und Meer, richtiges Meer, Atlantik, Wellen, Wind, Gezeiten.
Schnee, hm na gut, zugegeben,  im Vergleich zu deutschen Verhältnissen auch richtig, zumal da schon Freunde über irgendeinen Frühlingseinbruch faseln. Wir hingegen laufen in Termohosen rum und haben Hundemenschenbewegungsrunden mit Skiern mit und ohne Loipen.
Heute sind wir über unzählige Brücken bis zu den äußeren Lofoten vorgedrungen und bleiben in einem Dorf, das, wer hätts gedacht, von Bergen und See umschlossen liegt und von zwei Dingen lebt. Dorsch und Touristen.

Reine -vermutlich existiert kein Norwegenbildband ohne Motive aus diesem Dorf.

Dorsch hat gerade Saison, Touristen nicht so.
Was aber nicht heißen soll, dass wir nicht schon einer Gruppe Asiaten begegnet sind. Also den Menschen.
Die Dorsche hängen je zu zweien an den Schwanzflossen zusammengebunden, kopflos und ausgenommen zu hunderten zum Trocknen über Holzgestänge im Wind.
Oder die glücklicheren davon, also von den Dorschen, schwimmen im Meer. Wobei unglücklich sind die Aufgehängten nun auch nicht, weil tot.
Das mit dem Aufhängen ist nun auch unter den skandinavischen Menschen bekannt, aber in geringerer Anzahl, und dann endlich ja auch nicht mehr unglücklich. Saisonmäßig fällt das dann zusammen.
Also Reine, das Trockendorschdorf.
Für Touristen ausgebaute einstige Fischerhäuser, in denen man, zu norwegischen Preisen versteht sich, zu zweit gemütlich einen Raum für sich hat, der einst für acht Personen gedacht war. Nicht zu vergessen, statt dem Vorraum für Netze und all den Kram den man zum Fischen braucht und deren Bezeichnungen mir in jeder Sprache völlig fremd sind, ist uns der moderne Luxus eines Bades geboten. Der Boden isoliert, die Fenster auch, elektrisches Licht, Heizung, warm, trocken.
Und die stete Brise Fischgeruch in den Gassen lässt mich nur ahnen, wie sich das vor 100 Jahren gelebt haben mag. Wie sie gerochen haben mögen, Menschen, Hütten und Dörfer.
Danke liebe Welt, dass ich jetz da bin und auch dass ich jetzt bin.





 Die Zimpfelsberger ist völlig überfordert. Unter den Pfahlhäusern, zwischen den Dorschtrockenreihen, überall Gerüche und Fressbares vom Fisch. Und Katzen.
Der Herr Dinkelacker war kurz fischen und bringt -na- Dorsch mit. Nun riechts drinnen und draußen nach Fisch.
Zwischen den Häusern läuft ein Fischotter herum. Macht Sinn. Ist für mich aber trotzdem die Faszination des Tages.


Suchbild mit Fischotter. 
Wer schaffts auch ohne großen roten Pfeil?



Später Spaziergang zwischen hängenden Fischkörpern und aufgefädelten Fischköpfen. Weil, der Endverbraucher ist anspruchsvoll. Zumindest der eine. Dorschkörper gehen getrocknet als Baccala nach Italien. Fischköpfe nach Nigeria.
An einigen Plätzen reihen sich Fotographen auf. Wir rätseln um das Motiv. Vielleicht auch einfach nur alles. Alles ist ziemlich beeindruckend und malerisch und natürlich so authentisch.

 
Zusammenrottung von Menschen mit Kameras. 
Wer sind sie? Was wollen sie? Und worauf  warten sie?



Nachts gehen wir nochmal raus, die Zimpfelsberger wuselt an den Küstenfelsen und unter den Dorschen herum, wir lassen uns Fischgeruch um die Nase wehen und betrachten das Nordlicht.
Zurück in der Unterkunft erkenne ich das verschmierte Fell der Zimpfelsberger. Sie hat ein bisserl Fischabfallpanade aufgetragen. Hund duschen. Der Schmier geht weg. Der Geruch nicht so. Nasser Hund stinkt nach Fisch. Zimmer stinkt nach Fisch. Schlafen im Fisch.
Wir sind auf den Lofoten. Wir sind Fisch.







25. März 2015

Mei, was is heutzutag scho Norden


Zumindest kein typisches Fahrzeug der Südländer. Der Rest ist Ansichtssache.

Von Malmö, eine der südlichsten Städte Schwedens bis Stockholm sinds an die 600 km.
Von Stockholm gen Umeå sinds nochmal an die 600 km gen Norden.

Da in der Gegend von Umeå wohnen wir, der Herr Dinkelacker, die Zimpfelsberger und ich.
Amtlich betrachtet gehört unserer neue Heimat, "Västerbotten län" zur Region Nordschweden.

Von Umeå nach Kiruna, der nördlichsten Stadt Schwedens sinds querfeldein noch a mal 500 km.
Kiruna liegt mit 67,85 G. n.B. über - ja liebe Geographen, das tut weh, ich weiß - dem Polarkreis.

Die Nordschweden sagen, unsere Gegend ist noch lang nicht Norden.
Die Norweger sagen, Schweden hat keinen Norden.

Ich versteh das jetz.

Ach ja, die Schweden messen in Meilen, 10 Kilometer eine Meile.
Das versteh ich aber schon länger.

Nachdem wir gerade nördlich des Polarkreises, selbiger liegt auf 66,57 Grad nördl. Breite,  200 Meilen durch Schweden und Norwegen tingeln musste ich mal ganz schnell was korrigieren.  Also, weg mit dem "Nord" aus meiner aktuellen Wohnortbeschreibung "Nordschweden".

Und überhaupt, Winter endet im Norden wenn die Tage wieder kommen, nicht wenn der Schnee weg ist.

Winter ist rum. Ausfahrt in leichter Kleidung.


3. März 2015

Winterdüfte



An meinem Schreibtisch sitz ich.
Im Wohnzimmer sitzt der Herr Dinkelacker. Ich höre ihn leiden.
"Oh, ach Gott, also wirklich, das ist ja grausam... ohh..." so in etwa geht es dahin.
Die Sachlage ist klar, ohne dabei zu sein. Die Zimpfelsberger hat heute wieder was besonderes gefunden und runtergewürgt. Nun entlässt  sie unbeschreibliche Gase. Wer Hundepfürze kennt, der mag verstehen, was hier mit unbeschreiblich gemeint ist. Nicht der grauenhafte, in der Unendlichkeit haftende tränentreibende ordinäre Canidenschoas ist gemeint, sondern eben die Königsklasse dessen. Mit Wiederholungen, einer besser wie der andere.
Ja, so aufregend ist es als gerade hier....
Der Winter verarscht uns wieder mal und lässt unsere Nordbegeisterung auf den Nullpunkt sinken, eben weil seine Temperatur darüber liegt.
Der Schnee ist matschig und schwer.
Stimmen behaupten, es sei an mir, denn seit ich da bin sind die richtigen Winter weg.
Es taut und friert und taut und friert und regnet und schneit und taut und friert.
Eine gewisse Abwechslung ist schon geboten.
Mal ist der Hof und die Einfahrt vereist. Mensch, Tier und Fahrzeuge versuchen sich darauf zu bewegen. Der nordschwedische Gleichgewichtssinn ist in dieser Hinsicht wirklich beeindruckend und sowohl auf Übung als auch auf Stolz zurück zu führen.
Man passt sich an, spannt kleine Krallen an die Schuhe und klemmt sich hinter den Tretschlitten. Dann schneit es wieder ein bisserl rum, gerade soviel, dass man räumen muss und die Stollen an Schuhen, Hufen und Reifen nicht mehr bis zur darunter liegenden Eisschicht greifen. Da rutscht man dann samt der Schneeschicht einfach weg.
Ist aber auch nicht schlimm, es taut ja tags drauf wieder.
Das Räumen war also sinnlose Arbeit. Dafür kann man wieder ohne Spikes laufen, allerdings nur im Kreis in der Einfahrt oder auf der Strasse, denn auf dem zugefrorenen See, eigentlich die winterliche Spiel- Sport- und Spaßwiese, steht das Wasser.
In Wald und Feld bricht man durch die aufgeweichte Schneedecke und ist nach wenigen hundert Metern völlig erschöpft. Meinen letzten Spaziergang dieser Art musste ich dann streckenweise auf den Knien rutschend bewältigen, der Schnee war zu hoch um ihn erhobenen Hauptes durchqueren zu können.
Wählt man die Ski, kann das mal gut gehen und mal nicht, je nachdem wie warm und stürmisch  es gerade ist. Immer aber muss man die Bretter zwischenzeitlich zwischen den Händen und nicht an den Füßen tragen, denn auf Wegen und exponierten Stellen gibt es nichts Weißes mehr.
Sogar einer Zimpfelsberger schlägt das zuweilen aufs Gemüt. Das gemeine an diesen wechselnd aufweichenden und frierenden Schneedecken ist, dass sie einen weder permanent tragen noch bei jedem Schritt einbrechen lassen.
Die Zimpfelsberger wird also ein paar Schritte getragen, freut sich, wird schneller und kippt dann völlig unvermittelt vorne über und landet mit dem Kinn auf/in/unter der Schneedecke.
Das ganze geht selbstverständlich auch anders herum.
Da ringt sie sich endlich und nach schweren Entscheidungen zur Kackstellung durch und schon bricht das halbe Hinterteil in den tiefen Schnee ein.
Weil das nun alles etwas unerfreulich ist, hat sie ihren Schwerpunkt mehr den je auf irgendeinen- Scheißdreck- reinwürgen verlegt.  Eine besondere Technik erfordert das Einsammeln von an Vogelhäuschen hängenden Meisenknödeln. Zu allererst muss man sich natürlich in einem unbeobachteten Moment aus dem Staub machen. In Nachbars Garten angekommen gilt es hoch zu springen und sich am Knödel fest zu beißen. Dann, hängend solange zucken und routieren bis das Ding ab ist und, dazu bedarf es allerdings keinerlei Übung für die Zimpfelsberger, möglichst schnell runterwürgen.
Heute nun hat sich der Zimpfelsberger eine neue Futterquelle angeboten. Machen wir es kurz, man hat sie gefunden und wieder aus der Fuchsfalle herausgelassen.
Und da schließt sich der Kreis. Jetzt wird der Fallenköder verdaut und verdampft in unserem Wohnzimmer.
Der Herr Dinkelacker und ich finden die Idee immer besser, dass ein Hund genug Fell haben sollte um draußen gehalten werden zu können.