25. September 2015

Das Gras ist auf der anderen Seite immer grüner

Wer in Schweden Berge in Alpenmanier vermisst sollte einen Abstecher nach Norwegen machen.
Wer nicht, auch. 


Das Gras ist auf der anderen Seite immer grüner.
In unserem heutigen Fall ist die andere Seite Norwegen.
Und das Gras sind die Berge oder die Landschaft, was ja wiederum in Norwegen zum größten Teil ein und dasselbe ist. Und irgendwo da haben wir uns im Juli drei Wochen rumgetrieben. Also wir, wie üblich, der Herr Dinkelacker, die Zimpfelsberger und ich.

Da meine Mütterlein, einstiger Bergfex, ganz bestimmt nie dieses Stück Erde bestaunen kann, habe ich ihr auf unserer Rundfahrt eine Brief geschrieben.

Hier nun diese ganz traditionelle, handschriftliche Reisebeschreibung für Bilder im Kopf.

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13-7-15   Norwegen, gerade auf der Insel Otterøya in der Region Nord- Trøndelag

Liebe Ma,
nun sind wir seit einer Woche unterwegs auf Urlaubsrundfahrt. Als wir telefoniert haben, waren wir ja noch in Schweden unterwegs. Kurz danach haben wir die Grenze nach Norwegen passiert. Und 120 km später waren wir in Trondheim, einer relativ großen norwegischen Stadt, über 1000 Jahre alt, glaub ich. Auf alle Fälle hat sie schon Geschichte aufm Buckel und so fühlt sie sich auch an. Richtig gut.

Trondheim liegt- wie könnt's auch anders sein- an einem tief ins Landesinnere eindringenden großen Fjord. Die ganze Gegend sieht schon sehr nach Alpen aus. Grüne Hänge, an denen gewaltige Bauernhöfe thronen, Wiesen und Almen mit Schafen und Kühen. Darüber beginnen endlose Mischwälder und zu den Gipfeln hin Büsche, Kräuter und schließlich Felsregionen mit Schnee an den schattigen Stellen. Statt Latschenkiefern wachsen Zwergbirken und Miniaturweiden, Moose und eine unglaubliche Vielfalt an Flechten ziehen sich über die Felsen. Überall fließen kleine Bäche, oben auf den Gipfelplateaus in bunter Stein- und Flechtenlandschaft gibt es Seen. 

An den tieferliegenden Berghängen sind zahllose Hütten aus beeindruckenden Holzstämmen gezimmert, so wie unsere Hütte war. Die Dächer sind oft absichtlich mit Gras und Sträuchern bepflanzt und auf manch einem alten Häuserdach hat sich bereits ein kleiner Wald angesiedelt. Da sprießen dann 1m hohe Kiefern auf dem Dach, nicht aus dem Dach. Wie das funktioniert, ist mir nicht ganz klar. Aber es sieht sehr nach Zauberland aus und man würde sich nicht wirklich wundern, wenn ein Troll oder die kleine Hexe aus dem Haus käme. Oder eben ich...

Das ganze Bergland ist natürlich viel weniger kultiviert als die Alpen. Entlang der Strassen gibt es viele Häuser und Höfe mit Bergwiesen, aber gleich hinter dieser Linie der Zivilisation beginnt "wildes" Bergland, in dem der ein oder andere Eigenbrödler den Winter abgelegen von aller dörflichen Gemeinschaft wartet, bis das Frühjahr wieder die Strasse frei gibt. Ich glaube, an diese Berge hat Astrid Lindgren gedacht als sie Ronja Räubertochter schrieb.

Mittlerweile sind wir von diesen zentraleren Bergen bis zur Küste gefahren. Wobei das mit der Küste so seine Tücken hat, denn alles ist so sehr von Fjorden zerklüftet, dass man vor lauter kurvigen Strassen und Pässen und Brücken und Tunneln und Fähren garnicht mehr weiß, ob man gerade einen See sieht oder das Meer und ob man auf einer Insel ist oder auf einer Landzunge. Alles ist Bergland, mal steiler, mal hügeliger, mal völlig bewaldet, mal felsiger. Und zwischen all den Bergen immer wieder das Meer, kleine Boote und Ebbe und Flut. Da gibt es dann also einen Bergbauernhof mit Almen und steilen Wiesen und unten am Steg liegt das kleine Boot vor Anker, mit dem man mal Einkaufen fährt, während Delphine vorbei ziehen und hinterm Hof Ren und Elch vorbei huschen... so in etwa. 

Ein wenig fürchten wir uns schon vor unserem "langweiligen" Zuhause: flaches Land, durchforstete Wälder, Kahlschläge, rechteckige Wiesen und schnurgerade Strassen. Ist schon unverschämt, was? Das ist Jammern auf hohem Niveau. Leben wir 10m neben dem See, radeln und laufen und reiten jeden Tag durch den Wald, sammeln Blaubeeren und Steinpilze kübelweise, finden mehr als 10 Autos vor der Ampel als stressig und dann auch noch jammern, weils uns nicht reicht. 

Naja, auf alle Fälle sind wir sehr beeindruckt und genießen es, wieder in für uns richtigen Bergen zu sein. Wir haben auch eine ziemlich anstrengende Bergwanderung gemacht, soviel steigen und steil hinauf gehen sind wir nicht mehr gewohnt. Die Zimpfelsberger hatte einen ganzen Gebirgszug für sich, keine Seele weit und breit, nur wir zwei Menschlein und der Hund, der über die Felsen ist wie eine Gams. Abends war sogar sie mal richtig fertig. Aber die läuft ja auch 3x um den Gipfel während der Herr Dinkelacker und ich uns mühsam 10 Meter Höhe erklettern, so scheint mir. 

Ach ja, eine anderen Bergwanderung, die über 2 Tage gedacht war mussten wir auf einen Tag verkürzen, weil es mir die Schuhsohlen von den Schuhen abgelöst hat während dem Wandern. Ein echter Grund zur Sorge für mich, so richtig gute, eingelaufenen, einfach perfekte Bergschuh waren das. 

Aber die Moschusochsen, die wir finden wollten,  haben wir trotzdem noch entdeckt. Die wurden da mal angesiedelt, oder wiederangesiedelt und trollen sich so in den Gebirgszügen eines Nationalparks rum. Und weil eben Nationalpark sind die Moschus nicht all zu scheu und wenn man sie entdeckt, dann kann man sie auch beobachten. 

Aber so, jetzt sind wir eben an der Küste, der Herr Dinkelacker und die Zimpfelsberger schlafen schon. Ich geh jetzt nochmal biesln und dann auch in den Schlafsack. Aber ganz komfortabel in einem kleinen Hüttchen, nicht im Zelt. man wird ja auch älter, gelle. 

14-7-15
Bis jetzt hats uns auch noch garnet mit Regen erwischt, trotz Bergstaulage und Atlantik. Daheim regnet es gerade durchgehend. Der Herrr Dinkelacker ist Fischen und danach gehen wir mal paar Stunden Bergeln. Danach irgendwie weiter die Küste hoch, gen Norden. Da gibts dann vielleicht auch eine Briefmarke für das hier. Jetz bastel' ich noch einen Umschlag...

Bussi...

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... besser hät ichs auch nicht schreiben können.


Wer noch ein bisserl mehr will als Vorstellungskraft, hier noch weitere Bilder





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