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| Was macht der Depp ohne Internet? |
Wir brauchen das Internet, wir können nicht leben ohne das Internet.
Unsere Freunde, die müssen doch wissen, was wir machen und vielleicht lieber nicht, was wir denken. Der Herr Dinkelacker braucht das Netz um Fischereischweinskram zu recherchieren, zu kucken und zu bestellen. Ich brauch das Netz um, ja was mach ich da eigentlich. Bloggtexte schreiben natürlich. Blöd auf FB kucken. Vokabeln lernen und nachschlagen. Ein Mailchen hier und da. Und, uhm, rausfinden ob es ein Wohnmobil gibt, das so gebaut ist, wie ich es mir ausgedacht hab. Jägerschnitzelsoße lieber mit Mehl binden oder doch nicht? Und natürlich schau ich mir immer wieder eine Reihe Bilder von Tieren an, die ich gerade zeichne.
Und der Herr Dinkelacker muss doch unserem Autonarrnachbarn hinterhe spionieren, um fest zu stellen, dass 30 Fahrzeuge auf ihn zugelassen sind. Und für uns beide ist es natürlich unerlässlich stets zu wissen, was in Deutschland und Bayern los ist.
Wie man sieht, wir sind also wirklich, wirklich angewiesen aufs Internet.
Zumal wir uns das ganze Gesurfe mit dem Handtelefon sparen. Der Herr Dinkelacker ist wohl ein Mann von trauriger Berühmtheit hier im Lande der Daueronliner, er besitzt noch kein kleveres Telefon, man stelle sich vor.
Ohne Internet fällt mir wieder ein, dass ich da noch ein Schwedischbuch habe, so eines mit Seiten aus Papier, bedruckt, zum Umblättern. Und ein Lernprogramm auf dem PC. In den selben Macharten besitze ich auch eine Reihe von Foto- und Nachschlagwerken über Tier und Pflanze.
Anders ist die Situation für unsere Nachbarin. Sie hat Anfang Juni eine Ausstellung in einem Schaufenster. Ist also gerade in der heißen Phase von Noch-alles-fertig-kriegen und Dies-und-das brauch-ich-ja-auch-noch.
Sie ist wegen Muskelerkrankung in ihrer Mobilität ziemlich eingeschränkt. Ohnehin aber bekommt man die meisten Dinge von Dies-und-das nicht einfach so in Umeå (Bedenke, lieber Mitteleuropäer, Umeå ist die einzige Stadt hier).
Kurz, für sie ist das Internet der beste Weg, um an ihre Sachen zu kommen.
Die Nachbarin ist auch bereits ein großer Freund unseres Netzanbieters. Sie hatte schon die üblichen ausgiebigen Probleme und Diskussionen als sie hier her zog und einen Anschluss wollte.
Die Telia, so nennt sich das in jeder Hinsicht schwedische Pendant zur Telecom, wollte ihr damals weis machen, sie hätte ein nur sporadisch funktionierenden Anschluss weil a) ihr Modem nicht funktioniert undoder b) sie zu abseits wohne. Als dann a) das Modem sich als frisch von Telia geliefert herausstellte und b) sich ebenfalls zeigte, dass wir, ihre an derselben Leitung hängenden, nur 10 Meter entfernten Nachbarn, beste Verbindung haben, kam die Telia nach zahlreichen weiteren Telefonaten doch endlich in Gang.
Vermutlich hat keiner Probleme, diese Gespräche mit Callcentern, die sie damals und wir jetzt hatten, nach zu empfinden.
Telefon- und Internetanbieter haben vermutlich einen weltumspannenden Pakt geschlossen und eine internationale Satzung zum Umgang mit Kunden: lass sie immer wieder von vorne anfangen, erläutere ihnen stur, wie die Geräte einzuschalten sind, gib ihnen stets das Gefühl, dass sie zu blöde sind und die Schuld an ihnen liegt. Frage immer wieder sämtliche Nummern und Daten ab. Wenn sie laut werden oder ungehalten, halte ihnen das vor und erläutere ihnen, dass es absolut keinen Grund gibt, sich im Ton zu vergreifen. Erkläre ihnen noch einmal, das bereits alles überprüft wurde, und kein Fehler vorliegt. Wenn sie zu weinen anfangen, beende das Gespräch und übernimm den nächsten Kunden. Versprich einen Rückruf, falls sie nicht aufgeben wollen.
So kams dann auch dazu, dass uns ein Techniker zugesagt wurde.
Die Nachbarin und ich habe so rumgetratscht. Sie war ziemlich genervt, dass der Techniker erst in ein paar Tagen auftaucht. Wir haben spekuliert, wie denn nur unsere zwei Häuser eine tote Leitung haben können während der Rest des Dorfes fröhlich surft. Und blödelten so herum, und meinten dass der Bauer, der gerade all seine Entwässerungsgräben ausbaggert was zerhackt hat. Machte zwar keinen Sinn, weil besagter Bauer einiges entfernt liegt, aber Leute sinnlos beschuldigen gehört nun mal zu einem echten Tratsch. Haben uns aber ganz brav auch gleich ein bisserl geschämt dafür. Und gelacht, weil nein, nein, was für ein Blödsinn. Liegen ja auch noch ein Haufen Häuser dazwischen.
An zugesagtem Tag war weit und breit kein Techniker zu sehen. Haben wir auch nicht so wirklich erwartet, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Eine SMS aber für den Herrn Dinkelacker gabs, dass da ein größeres Problem ist und noch dauert.
Tags darauf war die Nachbarin auf ihrer Hundefahrtrunde, sie hat so ein Elektromobil. Sah sie einen Elektriker im Graben bei erwähntem Bauern rumspringen. Hat ihn angesprochen. Und ja, da im Graben, da sei ein Kabel zu flicken.
Moral von der Geschicht: immer fest die Nachbarschaft beschuldigen.
Und: spar dir deine Logik wenns um die Verlegung von Leitungen geht.
Am Erstaunlichsten aber: Eine Woche nicht online und überhaupt nichts verpasst.

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