An meinem Schreibtisch sitz ich.
Im Wohnzimmer sitzt der Herr Dinkelacker. Ich höre ihn leiden.
"Oh, ach Gott, also wirklich, das ist ja grausam... ohh..." so in etwa geht es dahin.
Die Sachlage ist klar, ohne dabei zu sein. Die Zimpfelsberger hat heute wieder was besonderes gefunden und runtergewürgt. Nun entlässt sie unbeschreibliche Gase. Wer Hundepfürze kennt, der mag verstehen, was hier mit unbeschreiblich gemeint ist. Nicht der grauenhafte, in der Unendlichkeit haftende tränentreibende ordinäre Canidenschoas ist gemeint, sondern eben die Königsklasse dessen. Mit Wiederholungen, einer besser wie der andere.
Ja, so aufregend ist es als gerade hier....
Der Winter verarscht uns wieder mal und lässt unsere Nordbegeisterung auf den Nullpunkt sinken, eben weil seine Temperatur darüber liegt.
Der Schnee ist matschig und schwer.
Stimmen behaupten, es sei an mir, denn seit ich da bin sind die richtigen Winter weg.
Es taut und friert und taut und friert und regnet und schneit und taut und friert.
Eine gewisse Abwechslung ist schon geboten.
Mal ist der Hof und die Einfahrt vereist. Mensch, Tier und Fahrzeuge versuchen sich darauf zu bewegen. Der nordschwedische Gleichgewichtssinn ist in dieser Hinsicht wirklich beeindruckend und sowohl auf Übung als auch auf Stolz zurück zu führen.
Man passt sich an, spannt kleine Krallen an die Schuhe und klemmt sich hinter den Tretschlitten. Dann schneit es wieder ein bisserl rum, gerade soviel, dass man räumen muss und die Stollen an Schuhen, Hufen und Reifen nicht mehr bis zur darunter liegenden Eisschicht greifen. Da rutscht man dann samt der Schneeschicht einfach weg.
Ist aber auch nicht schlimm, es taut ja tags drauf wieder.
Das Räumen war also sinnlose Arbeit. Dafür kann man wieder ohne Spikes laufen, allerdings nur im Kreis in der Einfahrt oder auf der Strasse, denn auf dem zugefrorenen See, eigentlich die winterliche Spiel- Sport- und Spaßwiese, steht das Wasser.
In Wald und Feld bricht man durch die aufgeweichte Schneedecke und ist nach wenigen hundert Metern völlig erschöpft. Meinen letzten Spaziergang dieser Art musste ich dann streckenweise auf den Knien rutschend bewältigen, der Schnee war zu hoch um ihn erhobenen Hauptes durchqueren zu können.
Wählt man die Ski, kann das mal gut gehen und mal nicht, je nachdem wie warm und stürmisch es gerade ist. Immer aber muss man die Bretter zwischenzeitlich zwischen den Händen und nicht an den Füßen tragen, denn auf Wegen und exponierten Stellen gibt es nichts Weißes mehr.
Sogar einer Zimpfelsberger schlägt das zuweilen aufs Gemüt. Das gemeine an diesen wechselnd aufweichenden und frierenden Schneedecken ist, dass sie einen weder permanent tragen noch bei jedem Schritt einbrechen lassen.
Die Zimpfelsberger wird also ein paar Schritte getragen, freut sich, wird schneller und kippt dann völlig unvermittelt vorne über und landet mit dem Kinn auf/in/unter der Schneedecke.
Das ganze geht selbstverständlich auch anders herum.
Da ringt sie sich endlich und nach schweren Entscheidungen zur Kackstellung durch und schon bricht das halbe Hinterteil in den tiefen Schnee ein.
Weil das nun alles etwas unerfreulich ist, hat sie ihren Schwerpunkt mehr den je auf irgendeinen- Scheißdreck- reinwürgen verlegt. Eine besondere Technik erfordert das Einsammeln von an Vogelhäuschen hängenden Meisenknödeln. Zu allererst muss man sich natürlich in einem unbeobachteten Moment aus dem Staub machen. In Nachbars Garten angekommen gilt es hoch zu springen und sich am Knödel fest zu beißen. Dann, hängend solange zucken und routieren bis das Ding ab ist und, dazu bedarf es allerdings keinerlei Übung für die Zimpfelsberger, möglichst schnell runterwürgen.
Heute nun hat sich der Zimpfelsberger eine neue Futterquelle angeboten. Machen wir es kurz, man hat sie gefunden und wieder aus der Fuchsfalle herausgelassen.
Und da schließt sich der Kreis. Jetzt wird der Fallenköder verdaut und verdampft in unserem Wohnzimmer.
Der Herr Dinkelacker und ich finden die Idee immer besser, dass ein Hund genug Fell haben sollte um draußen gehalten werden zu können.
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