19. November 2014

Es gilt zu lernen

An die schönen Dinge im Leben gewöhnt man sich immer ganz schnell.
Armseliger Ausblick aus unserem Zimmer in der Plattenbausiedlung.

Eine neues Land. Ein neues Leben.

An die neuen guten Dinge im Leben gewöhnt man sich immer ganz schnell, die muß man nicht lernen, die nimmt man hin, wenns hoch kommt freut man sich.
Dann gibts die neuen Sachen, die einfach zum Kotzen sind, die kann man auch nicht lernen, wenns hoch kommt, gewöhnt man sich.
Und dann gibts noch die Dinge, die nun ja, hm, anders sind.
Ich sage anders, denn in einem “neuen” Land fühlt man sich auf einmal so verpflichtet, sich nicht lustig zu machen und schon garnicht rum zu kritteln .
Jetz komm ich aber nicht nur aus dem Beschwererland Deutschland sondern auch noch aus dem Maulerland Bayern.

Und ich gebs zu, ja ich bin ein alter Moserer.
Und wir sind ja unter uns.

Also, Nordschweden, es gilt zu lernen:

Ein Gatter, das bei jedem Schließversuch aus den Angeln springt wird nicht reperiert sondern akzeptiert, die hohen Stromrechnungen werden diskutiert, aber sämliche Beleuchtungen haben weiterhin auch bei Abwesenheit zu brennen.

Unstimmigkeiten werden nicht ausgesprochen sondern ausgesessen.

In einer Rundmail an Arbeitskollegen kann man durchaus eheliche Probleme erwähnen.

Fragen über Gehälter, Preise und Finanzierungen sind keineswegs unhöflich und im übrigen sowieso für jedermann über jedermann einsehbar. Also bloß nicht nervös werden, weil man sich ein wenig gläsern fühlt.
Privat gibts nicht, weil ja alle gleich sind, die Gemeinschaft das Wichtigste ist und man - besonders gruselig - an das Gute im Menschen glaubt.




Nur keine Scheu:Wer einen Namen weiß, kann nicht nur Adresse, auch Telefonnummer, Alter, Geburtstag,
 Kinder, Firmen und Familie erfragen. Oder andersrum, wer eine Adresse weiß, oder eine Firma... 




Von jedem Einwohner Schwedens kann man über diverse Suchseiten Adresse, Geburtstag, Lebenspartner, Kinder und Telefonnummern erfahren und die Steuererklärung einsehen. In Zeitungsartikeln, Bildunterschriften und TV Reportagen werden komplette Namen angegeben.
Ohnehin hat Schweden den USA in freundlicher Unterstützung Leitungen zur Verfügung gestellt, um die digitale Bespitzelung auf dem europäischen Kontinent nicht unnötig zu erschweren. Ganz im Sinne der Konfliktvermeidung stellt man sowohl staatlich als auch privat seine Möglichkeiten gerne bereit, ganz neutral versteht sich.

Spontanität könnte Stress verursachen und macht die Leute mitunter nervös, das ist zu fordernd und bedrängend. Ebenso wie rasches Handeln oder Entscheidungsfreudigkeit.

Das wichtigste ist und bleibt der Teamgeist. Teamgeist im Sinne von “alle sind zufrieden mit der Entscheidung”, was genau genommen heißt, keine Entscheidungen, oder wenn dann so etwas wie weiche Entscheidungen, also welche, die veränderbar bleiben und gerne noch einmal besprochen werden können. Am besten ist es, so lange zu zögern bis einfach etwas passiert. Dann ist es eben geschehen und keiner kann etwas dafür. Das ist das Allerbeste.

Wer nicht in das Bild des geduldigen, sozialen, neutralen und kompromissbereiten Bürgers passt sollte sich in psychiatrische Behandlung begeben oder Künstler werden. In der Regel gibt es für ersteres ausreichend passende Pharmazeutika, die ohnehin in jedem Bereich als übliche Lösung großzügig gehandhabt werden. Für zweiteres gibt es steuerliche Vorteile, wer einen Künstler engagiert muß keine Mehrwertsteuer bezahlen.

Drogen - also die, dies nicht auf Rezept gibt - sind ganz, ganz schlecht, allesamt ganz böse und bis auf Zigaretten und Alkohol illegal.
So ist es ja auch nur logisch, dass der Staat allein allen Alkohol über 3.5 % verkauft und daran verdient. Alkohol ist auch ganz böse, der wird nicht einfach zum Essen konsumiert. Als logische Konsequenz wird dann eine ganze Wochenration an Alkohol Freitag abends nachgeholt -und rein damit. Montags gibt es die üblichen Meldungen über Schlägerei, Randale oder Vandalismus.
Wie es dann wirklich um den Konsum anderer Rauschmittel steht, ist leicht abzuleiten: Wenn, dann gscheit.
Kaffee und Snus übrigens sind in keinem Fall Drogen, sondern nationale Identität. Basta!

Und ganz wichtig, Milch. Milch ist immer gesund.

So, und hier endet meine lose Sammlung für heute.
So ein anständiges Rumgestichel am Abend, da schläft man doch gleich besser.


Noch ein Gläschen Milch und gute Nacht!



Milch hinein,
schlaf gut ein!


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