27. November 2014

Tonnenstier und Zentnerfacke

Größenvergleich:
Da Hugo (im Bild links) und i 









Spannend wirds heut beim Arbeiten erst, als es heißt, den vier Stieren müsste man auch die Klauen schneiden. Mein Chef meint, er is sich nicht sicher, ob die in das Schneidedings, er nennt es immer Stuhl, also ob die da rein passen. Davor gibts Kaffee zur Stärkung, ich werd von den Katzen als neue Streicheloption gleich mal besetzt.

Kaffeepause in bester Gesellschaft





Dann ran an die boviden Männer. Das dauert seine Zeit, bis so ein Stier meint, es is schon in Ordnung in das grüne Gruselding zu gehen. Mit anschieben oder am Halfter reinführen is bei der Masse an Viech nix mehr zu machen. Und als der erste Stier dann eigentlich fertig ist und wieder raus gehen soll, setzt er sich erstmal hin, und da sitzt er dann und schaut und wir schauen auch und warten, bis es ihm genehm ist, sich da doch wieder raus zu schieben. Der nächste hat sich gleich mal ganz hingelegt. So hat sich das dann ein bisserl gezogen, bis alle vier von denen dann irgendwann rein und vor allem auch wieder raus gingen.

So siehts aus mit den tobenden Stieren.
Wenns komisch wird, erstmal hinsetzen.






Also komm ich erst spät heim, macht aber nix, dunkel ists ja eh schon seit vier Uhr.
Die Zimpfelsberger hat auch schon selbst für ihren Auslauf gesorgt. Sie ist nach 2 Stunden Gassirunde mit der Nachbarin vor ihrer Haustür davon und war dann noch 3 weitere Stunden eigenständig unterwegs. Jetzt liegt sie komatös mit aufgeblähter Wampe auf ihrem Platz und wir rätseln, wo sie sich immer wieder so vollstopft. Herr Dinkelacker nennt sie "Zentnerfacke", und wenn ich sie mir grad so anschau, triffts das ganz gut.



22. November 2014

schweinische Angelegenheit


Donnerstags hatten wir arbeitstechnisch mal einen bisserl anderen Auftrag.
An sich ists ja immer so: Zu einem Hof fahren, mit dem LKW rumrangieren, Ladeklappe auf, Arbeitsgeräte raus, Gitter und Tärä abladen, alles rumschieben und wuchten, dann  eine Kuh, und die nächste, und noch eine und so weiter und irgendwann warens 70 Stück und ein ganzer Tag.

Diesmal gabs zwei Sonderkunden, die auf diesem Hof hier:  Röbacks 4H Gard, oder  4H Gard leben. Man  sieht da auch gleich a Bild von Kunde eins, Schweins.
Also, so a Sau braucht halt auch amal an Klauenschnitt. Schneiden an sich is ja jetz nicht grad schmerzvoll, aber das gilt halt nicht als Argument, Eltern wissen wovon ich red. Und außerdem wird man festgehalten, das is schon ganz a arge Sach. 
Also, die Schweinerl erkennen meinen Chef, und ab unters Stroh, tarnt aber nur bedingt.









Dann wird man ausgegraben! 
Und festgehalten!
Und die Hufe werden verstümmelt!
Und weil des alles so schlimm is, muss man schreien wie am Spieß.
Mein Chef hat mir Gott sei Dank geraten, den Gehörschutz mit zu nehmen. Jetz weiß ich auch warum. 

Und das ist auch die Auflösung des akustischen Rätsels von Freitag: Sau ist nicht mit Maniküre einverstanden.

Nach zwei Schweinen war ich dann  froh, das Feierabend war. Die haben immer so viel Kraft, so Sauen.
Und es war nicht grad leicht, die zum Stillhalten zu überreden.
Schade nur, s nächste Mal mögens mich auch nimmer.  

20. November 2014

kleines akustisches Rätsel

Was passiert hier? 

a) Der Zombierun in Umeå ist dieses Jahr etwas ausgeartet 
b) Endkampf eines Computerspielgemetzels 
c) Die Nachbarin ist auf ihren Gatten wütend 
d) Mikro ist hinüber 
e) Ich habe etwas schlechte Laune 

Auflösung gibts morgen.






19. November 2014

Es gilt zu lernen

An die schönen Dinge im Leben gewöhnt man sich immer ganz schnell.
Armseliger Ausblick aus unserem Zimmer in der Plattenbausiedlung.

Eine neues Land. Ein neues Leben.

An die neuen guten Dinge im Leben gewöhnt man sich immer ganz schnell, die muß man nicht lernen, die nimmt man hin, wenns hoch kommt freut man sich.
Dann gibts die neuen Sachen, die einfach zum Kotzen sind, die kann man auch nicht lernen, wenns hoch kommt, gewöhnt man sich.
Und dann gibts noch die Dinge, die nun ja, hm, anders sind.
Ich sage anders, denn in einem “neuen” Land fühlt man sich auf einmal so verpflichtet, sich nicht lustig zu machen und schon garnicht rum zu kritteln .
Jetz komm ich aber nicht nur aus dem Beschwererland Deutschland sondern auch noch aus dem Maulerland Bayern.

Und ich gebs zu, ja ich bin ein alter Moserer.
Und wir sind ja unter uns.

Also, Nordschweden, es gilt zu lernen:

Ein Gatter, das bei jedem Schließversuch aus den Angeln springt wird nicht reperiert sondern akzeptiert, die hohen Stromrechnungen werden diskutiert, aber sämliche Beleuchtungen haben weiterhin auch bei Abwesenheit zu brennen.

Unstimmigkeiten werden nicht ausgesprochen sondern ausgesessen.

In einer Rundmail an Arbeitskollegen kann man durchaus eheliche Probleme erwähnen.

Fragen über Gehälter, Preise und Finanzierungen sind keineswegs unhöflich und im übrigen sowieso für jedermann über jedermann einsehbar. Also bloß nicht nervös werden, weil man sich ein wenig gläsern fühlt.
Privat gibts nicht, weil ja alle gleich sind, die Gemeinschaft das Wichtigste ist und man - besonders gruselig - an das Gute im Menschen glaubt.




Nur keine Scheu:Wer einen Namen weiß, kann nicht nur Adresse, auch Telefonnummer, Alter, Geburtstag,
 Kinder, Firmen und Familie erfragen. Oder andersrum, wer eine Adresse weiß, oder eine Firma... 




Von jedem Einwohner Schwedens kann man über diverse Suchseiten Adresse, Geburtstag, Lebenspartner, Kinder und Telefonnummern erfahren und die Steuererklärung einsehen. In Zeitungsartikeln, Bildunterschriften und TV Reportagen werden komplette Namen angegeben.
Ohnehin hat Schweden den USA in freundlicher Unterstützung Leitungen zur Verfügung gestellt, um die digitale Bespitzelung auf dem europäischen Kontinent nicht unnötig zu erschweren. Ganz im Sinne der Konfliktvermeidung stellt man sowohl staatlich als auch privat seine Möglichkeiten gerne bereit, ganz neutral versteht sich.

Spontanität könnte Stress verursachen und macht die Leute mitunter nervös, das ist zu fordernd und bedrängend. Ebenso wie rasches Handeln oder Entscheidungsfreudigkeit.

Das wichtigste ist und bleibt der Teamgeist. Teamgeist im Sinne von “alle sind zufrieden mit der Entscheidung”, was genau genommen heißt, keine Entscheidungen, oder wenn dann so etwas wie weiche Entscheidungen, also welche, die veränderbar bleiben und gerne noch einmal besprochen werden können. Am besten ist es, so lange zu zögern bis einfach etwas passiert. Dann ist es eben geschehen und keiner kann etwas dafür. Das ist das Allerbeste.

Wer nicht in das Bild des geduldigen, sozialen, neutralen und kompromissbereiten Bürgers passt sollte sich in psychiatrische Behandlung begeben oder Künstler werden. In der Regel gibt es für ersteres ausreichend passende Pharmazeutika, die ohnehin in jedem Bereich als übliche Lösung großzügig gehandhabt werden. Für zweiteres gibt es steuerliche Vorteile, wer einen Künstler engagiert muß keine Mehrwertsteuer bezahlen.

Drogen - also die, dies nicht auf Rezept gibt - sind ganz, ganz schlecht, allesamt ganz böse und bis auf Zigaretten und Alkohol illegal.
So ist es ja auch nur logisch, dass der Staat allein allen Alkohol über 3.5 % verkauft und daran verdient. Alkohol ist auch ganz böse, der wird nicht einfach zum Essen konsumiert. Als logische Konsequenz wird dann eine ganze Wochenration an Alkohol Freitag abends nachgeholt -und rein damit. Montags gibt es die üblichen Meldungen über Schlägerei, Randale oder Vandalismus.
Wie es dann wirklich um den Konsum anderer Rauschmittel steht, ist leicht abzuleiten: Wenn, dann gscheit.
Kaffee und Snus übrigens sind in keinem Fall Drogen, sondern nationale Identität. Basta!

Und ganz wichtig, Milch. Milch ist immer gesund.

So, und hier endet meine lose Sammlung für heute.
So ein anständiges Rumgestichel am Abend, da schläft man doch gleich besser.


Noch ein Gläschen Milch und gute Nacht!



Milch hinein,
schlaf gut ein!


13. November 2014

Selbstmordbad



Ältere Herrschaften bringen sich in lila Sitzgarnituren um, 

ältere Schweden in Dunkelrotbraunen Bädern



Neueste Untersuchungen lassen vermuten, dass die hohe Selbstmordrate in Schweden in engem Zusammenhang mit der Auswahl der Tapeten steht. 

12. November 2014

Worüber man sich freut


Heute gibts was zu feiern:

Wieder mal beim Zahnarzt erfahre ich, dass die Försäkringskassa es tatsächlich geschafft hat, meine Kosten richtig zu berechnen. Die Geschichte dazu hab ich ja schon mal erzählt in "Vernetzt und verheddert" . Nun also, knapp ein Jahr Mitgliedschaft ist vergangen, funktioniert die Berechnung meiner Zahnarztkosten. Die Lösung dazu war tatsächlich, dass die alten Rechnungen neu eintippselt werden mussten. 
So isses mit der schönen neuen Onlinewelt.

Lustig issa ja schon, so ein Zahnarztbesuch.

Net, dass jetz so a Zahnbehandlung lustig is. Wobei - die Zeiten, bei denen man sich vor Schmerzen fürchten muss sind ja auch nur noch Legenden. Jetz fürchtet man sich halt vor den Rechnungen danach.

Aber lustig für mich ist, in wie vielen Bereichen sich dieses schwedische Sicherheitsgedöns bemerkbar macht. Die Zahnärztin hat immer eine Vollverglasung vorm Gesicht, ein Plasikvisier. Der Patient bekommt auch eine Brille auf.Gott sei Dank! Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich nach jeder neuen Füllung Verletzungen am Auge hatte.
Und immer wenn die Zahnärztin dieses UV Lichtteil zum Füllung aushärten her nimmt, hält die Assistentin ein lila Glas über meinen Mund. Auch net schlecht.

Bin auch jedesmal wieder beeindruckt von dieser Fülle an Hilfsmitteln und Geräten und dem schier endlosen Einsatz derer. Ich glaub, die haben da einen persönlichen Ehrgeiz, so viel Hilfsmittel wie nur irgend möglich einzusetzen. Vermutlich hängt da im Kaffeeraum ein Zettel mit einer Hitliste der besten Ideen zum Einsatz von dem ganzen Gerümpel. So gesehen is die Brille dann vielleicht doch noch nötig.

Und Röntgen natürlich, einmal röntgen pro Behandlung muss schon mindestens drin sein. Dauert dann auch alles seine Zeit, is ja nicht so einfach, die Sachen da in den Mund rein und raus und umtauschen und andere rein und raus und röntgen und Scheibe hin und Scheibe weg und trallala.

Ich kann mich noch gut an meinen ersten Zahnarztbesuch hier erinnern. Angefüllt mit deutschem Zeitverständnis und diesem Begriff der Zeitverschwendung fühlte ich mich in der Ewigkeit gefangen. Es schien, als wäre bei jedem einzelnen die Handbremse angezogen, irgendwo da tief drin in deren Eingeweide. In mir wuchs von Minute zu Minute das Bedürfnis die alle anzuschieben, anzubrüllen und in den Arsch zu treten.

Mittlerweile ist es einfacher für mich. Ich platze nicht mehr, nicht immer, nicht bei allem. Manchmal ist es sogar richtig angenehm. Ich habe Zeit. Oder ich weiß es ist sinnlos…

Also gut, heute Zahnarzt, Freude wegen der Försäkringskassa, dann noch warme Arbeitsklamotten kaufen. Und Druckknöpfe. Ich entscheide mich für die schwarzen kleinen. Andere gibt es auch nicht. Aber sie haben welche. Ein weiterer Grund zur Freude. Produktvielfalt in Nordschweden bedeutet, man freut sich wenn es etwas gibt. Man freut sich noch mehr, wenn man es auch noch im ersten ( und manchmal einzigen) Laden dafür bekommt.

Zuhaus ratsche (jetz hatte ich doch tatsächlich “plaudern” geschrieben, aber das tut ja weh!) ich noch ein bisserl mit der Nachbarin darüber, wie ich mich selbständig melden kann, dann ist es auch schon halb vier und gleich dunkel.

Abends findet Herr Dinkelacker ein Schmankerl der Werbetexter:
"Dekorativer Spitzensaum hat in Kombination mit Blusen oder als Solist die besten Voraussetzungen für ein angesagtes Lieblingsstück"

Damit ist eigentlich alles gesagt.

Mit diesen Worten und einem ebenso zusammenhangslosen Bild eines ebenso sinnlosen Produktes der Lebensmittelindustrie:
 Habe die Ehre und gute Nacht Euch allen!



6. November 2014

heut is Motzen

Es schneit. Ich freu mich nicht drüber. Nein, heute habe ich irgendwann beschlossen, zu bocken. Also, es schneit. Natürlich ist es nicht kalt genug, dass er liegen bleibt. So watschel ich durch den Matsch. 



Es ist stockfinster und 18 Uhr. Wir verladen den Arbeitsgerätekram in den LKW. Danach noch 3 Stunden Heimfahrt. Also nicht vor Halbzehn daheim. Dafür schon um Viertelnachfünf aufgestanden. Stundenlang nur Kuhhufe. Der Job kotzt mich an. Ich hasse mein Leben. Und weil ich grad so schön drin bin auch gleich ein paar Leute die mich in der letzten Zeit auflaufen haben lassen, den November und diese immer eisigen Gummistiefel. Zwischendurch is mir eher zum Heulen oder Schreien, ich kann mich nicht entscheiden. 
Aber morgen ist ein neuer Tag, genau! 
Er verspricht genauso lang und zäh zu werden wie heute.

Zuhause ist die Zimpfelsberger der Nachbarin zweimal davon und war verschollen. Beim 2. Mal wurde sie nach anderthalb Stunden von Irgendjemand im Auto zurück gebracht, weil sie a Adressmarke hat.
Sehr gut, da hass ich doch gleich noch diese Zaunlosigkeit in Schweden.
Kann denn hier keiner sein Grundstück schön fest, dicht und hoch eingrenzen, als seins markieren und sich dann vielleicht auch aufregen, wenn der Ast von Nachbars Obstbaum drüber hängt, wie sichs gehört. 
Also gut, und gute Nacht!




3. November 2014

Tapetenwechsel



Da sitzt man so ganz unbedarft bei Milchbauerns aufm Klo und auf einmal nimmt man die Tapete richtig wahr...

Diesjährige Siegertapete bei  Västerbottens otroliga hemmastilar