8. Oktober 2014

het gröt

Frühstückstisch gedeckt mit Löffeln und Suppentellern. Alles klar, nix klar. Ich werds schon sehn, wie so oft. Die Tischrunde füllt sich mit Menschen. Ich verstehe nie, wo die dann alle her kommen. Junge Frau mit Baby, älterer Herr mit Ranzen, junger Kerl mit ausgebeulter Snusbefüllter Oberlippe, die Dürre, der Dürre, beide gleich groß und der Hausherr, vermutlich. Hände werden geschüttelt, Namen gesagt, Verwandschaften erläutert. Ich nenn meinen Namen, so an die acht mal, deute mechanisch nickend völligen Überblick an und bemühe mich noch nicht einmal mir irgendwas zu merken. Mein Hirn ist noch nicht wach. Ich glaub, mein Körper eigentlich auch nicht. Dann die Auflösung des Suppenrätsels, ein großer Topf mit Grießbrei wird hin gestellt. Het gröt, eine Variante der schwedische Pampe zum Frühstück. Brot, Butter und Käse gibt es auch. Das gibts ja immer und überall dazu. Großes Erstaunen über meine morgendliche Essensunlust und eine Aufklärung die ich - wer häts gedacht - nicht zum ersten mal in meinen Leben erhalte, dass das Frühstück doch die wichtigste Mahlzeit am Tage sei. Wie immer sind die Leute sehr nett und ich versteh wenig von dem worüber sie sich unterhalten. So beschäftige ich mich mit viel Kaffee trinken und herumstarren. Ein fließender Übergang also zum gestrigen Abend, nichts tun, aushalten, warten, ruhig bleiben.

Dann endlich schlurfen wir alle in unsere Arbeitsklamotten und Gummistiefel. Die Kühe sind so nett und gepflegt wie die Besitzer. Die Arbeit läuft. Mittags pellen wir uns wieder aus unseren stinkigen kuhscheißebespritzten Overalls. Der Bauer, groß, gepflegt, Ohrringe in beiden Ohren, Schnauzbart, wechselt von der Dreckhose in eine schwarze enge Lederhose. Diesmal ist alles klar.

Gegen 6 Uhr abends sind wir nach 80 Kühen am nächsten Stall für weitere 60 Kühe. Und da seh ich ihn. Den ersten Schweden der völlig ungeniert einfach raucht. Einfach so, Kippe in der Hand. Bis dato sind mir so nur Jugendliche untergekommen, die damit ein wenig ihrem rebellischen Geist Ausdruck verleihen wollten.

Der Tag endet spät. Weil mein Chef es vertrödelt hat, rechtzeitig eine Übernachtung zu buchen enden wir in einem noblen Hotel. Schlafen und Frühstücken ist leider alles, was wir hier an Angeboten nutzen.

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