22. Oktober 2014

Der Zimpfelsberger ihr Ohr


Dank neuester technischer Errungenschaften ist es
 nun endlich auch Hunde möglich, nach 
extraterrestrischen Signalen zu lauschen.

Die Zimpfelsberger die hatte mal ein Ohr, ein ganz normales, schönes weiches Hundeohr. Dann hat sie sich die Räude eingefangen, weil sie sich immer mit den Füchsen rumärgern muss die so unverschämt nah am Haus rumhängen. Mit der ganzen Räude muss man sich natürlich dauernd kratzen, auch immer fest am Ohr. 
Da wurde das schöne weiche Hundeohr von Tag zu Tag dicker. Und dann wirkte das Räudemittel, das Antiräudemittel natürlich, und die ganzen Milben kämpften um ihr Leben, und so hats noch viel mehr gejuckt. Und so hats noch viel mehr gekratzt. Mittlerweile von Winslern und Jaulern begleitet. Und es wurde wieder dicker und dicker und dicker, das Ohr.
Der Tierarzt bestätigte, dass da ein Blutgefäß geplatzt ist. Das Ohr wurde punktiert, das Blut abgesaugt. Auf dem Weg vom Distriktveterinär zum Auto bekam die Zimpfelsberger als Folge der Sedierung - und weil die Zimpfelsberger bei allem Hier schreit, was man so haben kann - wieder mal einen epileptischen Anfall. Danach kannte sie sich überhaut nicht  mehr aus, hat nur geschrien und mich gebissen. 
Ganz umsonst war der ganze Krampf natürlich auch noch. der Druckverband und sämtliche Kopfeinwickelversuche haben dem Geschüttel von der Zimpfelsberger nicht stand gehalten. Das Ohr hat sich wieder gefüllt, nach ner Weile trug sie den Kopf schon ganz schief und es wurde wieder dicker und dicker. Jeden Morgen hat man drauf gewartet, dass` doch platzt.

Die Zimpfelsberger mit ihrem Blutohr, in angemessen
tragender Pose vorgestellt

So stand also eine größere OP an. Ohr aufschneiden, alle unerwünschte Füllung raus, dann durch Matratzennähte das ganze zusammen und flach halten. Wir fuhren da also zum Termin hin. Ich verkündete, dass ich den Hund danach wieder mitnehme und nicht erst nachmittags abhole und ihn auch nicht alleine in der Praxis einschlafen und aufwachen lasse wie vorausgesetzt. Ich wusste nicht, ob sie mich annähernd ernst nehmen oder ob ich später nochmal damit anfangen muss. Dann meinten sie, mein Hund wär ja jetzt noch nicht dran, ob ich später kommen will, sie rufen mich an. Ich hab mich halt gefragt, warum ich dann jetzt zu erscheinen hatte und dafür eine Stunde durch den frühen Morgen gefahren bin. Und mir wurde klar, ich hätte das Hundetier einfach abgeben sollen. Und sieben Stunden später wieder abholen. Ziemlich schlaue Sache um einem Hund zu zeigen, dass es sich lohnt, dem Besitzer zu vertrauen.
Also gut, meine neue Lieblingsbeschäftigung, Warten, diesmal immerhin im Form von Gassi gehen und vergeblich nach was zum Essen suchen. Dann war es irgendwann soweit, sie wurde in Narkose gelegt. Danach ging ich und - wartete, gesessen und Kaffee getrunken, Extraheizer für Autoinnenraum gekauft, gesessen, hmm - noch ein Kaffee, rumgesessen. Irgendwann war das durch und sie platzierten mich neben der schlafenden Zimpfelsberger, umgesessen. Gerade als ich mich meinem Sitzundwarteschicksal ergeben wollte passierte was Merkwürdiges.
Der Tierarzt meinte, wenn ich es mir zutraue, dann würde er uns zwei jetzt heim lassen. Wie, was, ich darf selbstverantwortlich handeln, entscheiden, mir wird selbständiges Denken zugetraut, ui! (Zuhause Tag im Kalender rot anstreichen nicht vergessen). Ich werde heute noch etwas anderes tun als Sitzen und Warten, Freiheit ich komme.
Also los, Rest besprochen, schlafenden Hund verladen, Wartezimmer, bezahlen, Apotheke für Köters Medikamente, heim. Ich schleppte die Zimpfelsberger ins Haus und da döste und wirrte  sie so vor sich hin.


Altweibersommer
Tagelang armer Hund, sie konnte kaum biesln gehn, so nervte und schmerzte es und dieser Kopfverband war unerträglich lästig. Die Zimpfelsberger auch. Ich zeitweise auch. Der Herr Dinkelacker nicht.
Zwei Tage später Verband ab,  nur noch der Elisabethanische Kragen, aber das machte es erstmal nicht besser. Den Kopf trug sie ausnahmslos total verdreht, das gesteppte Ohr sollte ihrer Meinung nach immer nach unten hängen. Dadurch wurde sie noch ungeschickter mit diesem Kragen und dann musste man ja auch noch immer so zucken wenn schütteln noch nicht geht. Dadurch entwickelte sie eine völlig fremdartig anmutende Form der Fortbewegung. Wir haben sie liebevoll unser Quasimodo genannt. Sie wimmerte vor sich hin. Aber irgendwann wurde es besser. Für alle.


Medikamentenmissbrauch, ein häufig unterschätztes
 Phänomen bei Haustieren
Jetz springt und rennt sie wieder, holt sich ihr Zweitfrühstück vom Nachbarhund, schüttelt den Kopf vor sich hin und würde gerne wieder auf Fuchsjagd gehen. Und ihre depperten Besitzer haben grad überhaupt keinen Sinn für letzteres. Was die wieder haben.

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