28. Oktober 2014

Vernetzt und Verheddert

Mittlerweile hat sich für mich ein ganz klarer Favorit unter den Behörden heraus kristallisiert. Eine Weile konnte ich mich nicht zwischen Arbeitsamt und  Försäkringskassan, der Sozialkrankenundsonstnochwaskasse entscheiden. 
Nun liegt aber Försäkringskassan klar vorne.
Försäkringskassan ist keine freiwillige Kasse, vielmehr eine staatliche Institution, die Mitgliedschaft ist obligatorisch für jeden.
Wie schon mal erwähnt, ich hatte bei Försäkringskassan den Aufnahmeantrag im Oktober 2013 gestellt und schon im Sommer 2014 die Bestätigung erhalten, seit November 2013 Mitglied zu sein. 

Nun ist das so in Schweden, Zahnarztbehandlungen zahlt man selbst. Überschreiten die Behandlungskosten innerhalb eines Jahres einen bestimmten Betrag, halbieren sich  aber alle weiteren anfallenden Kosten, überschreitet man eine weitere Kostengrenze, zahlt man nur noch 20% usw. 
Dabei kommt nun Försäkringskassan ins Spiel. Sie ist zuständig für diese Zahnkostenrabattgeschichten.
Die Berechnungen erfolgen an sich automatisch, die Zahnpraxen stellen nur den Restbetrag in Rechnung. An sich wie gesagt, denn dazu muss man von der Försäkringskassa freigeschaltet sein. Freigeschaltet dafür wurde ich erst nach einigen Telefonaten  im September 2014.
Ärger mit den Zähnen hatte ich schon kurz nach meiner Ankunft im neuen Land.
Auf alle Fälle wurde gebohrt und wurzelbehandelt, und auf und zu und trallala.
Im Dezember 2013 ist der Zahn dann auseinander gebröselt. 
Bei dem daraus folgenden Zahnarztbesuch war ich also unwissenderweise schon Mitglied der Försäkringskassa. Ebenso bei der  Folgebehandlung, raus mit den Zahnresten im April 2014.
Diesen August und September folgten nun weitere Zahnbehandlungen.
(Und ja, ich hab klapprige Zähn).
Dabei wurde mir bewußt, dass ich mit den vielen Zahnbehandlungen schon längst Anspruch auf Rabatte haben mußte. Durch Nachfragen wurde ich immerhin mal grundsätzlich freigeschaltet.
Wir erinnern uns, Mitgliedschaft in der Försäkringskassa seit November 2013, Bestätigung der Aufnahme August 2014, Freischaltung für die Zahnärzte also September 2014.  

Nur, da es den Zahnärzten also im Dezember, April und August noch nicht möglich war, meine Behandlungskosten bei der Försäkrinskassa einzubuchen, ist es ihnen jetzt nicht möglich, mir die richtigen rabattierten Rechnung zu stellen.
Auf dem Schreibtisch liegt die unrichtige Rechnung vom Septemberbesuch, noch nicht überwiesen.
Jetzt stehen noch weitere Behandlungen aus, wobei sie mir erst einen Kostenvoranschlag schicken müssen, bevor wir Termine vereinbaren können. Sie können aber keinen Kostenvoranschlag erstellen, da die Kosten erst richtig berechnen werden können, wenn auch die vorangegangenen Rechnungen berücksichtigt werden, was wiederum daran scheitert, dass sie damals nicht verbucht werden konnten und es nun im Land der totalen digitalen Vernetzung nicht möglich ist, sie im Nachhinein zu verbuchen.
Alles wird ganz online und ontime erledigt.
Andererseits ist es nicht vorgesehen, dass die Försäkrinskassa mal ein bisschen mehr on time arbeitet. Ein Fall wie meiner ist ebenfalls nicht vorgesehen, einfach so während den monatelangen Bearbeitungszeiten mit dem Leben weiter zu machen. 

Kann mir noch jemand folgen? Dann weiter...

Heute nocheinmal bei meinem Zahnzentrum angerufen.
In 5 Wochen ist das Jahr vorbei, auf das die Rabattberechnung fällt. Bei den hier üblichen Terminvorlaufzeiten ist es nahezu unmöglich, die Termine noch in das Berechnungsjahr zu packen. Mit meinem bisserl Einkommen ist es aber auch nahezu unmöglich, die vollen Beträge zu zahlen. Außeredem weiß ich nicht, was ich mit der fälligen aber falschen Septemberrechnung machen soll. 
Ich erfahre, dass das Problem immer noch nicht gelöst sei.
Dass das Problem daran läge,  das die Rechner der Praxis nicht mit dem Rechenzentrum der Försäkringskassa über Vergangenes kommunizieren können und das die ITler (hä?) angestrengt versuchen, dass Problem zu lösen. Ich frage mich, wie man denn für das angestrengtes Versuchen über 4 Wochen brauchen kann bzw. wenn dem so ist, danach immer noch meint es gäbe eine Lösung. 
Termine können wir nicht, weil dürfen wir nicht ohne Kostenvoranschlag ausmachen. Und der - tja, da wären wir wieder.
Die Rechnung solle ich auf keinen Fall bezahlen, dass würde es noch schwieriger machen. Ja, das könne schon sein, dass ich dann ins Mahnverfahren rutsche, das läuft automatisch, wiederum von einer anderen Stelle aus. Nein, da könnten sie nichts machen. Und ja, ich hätte das schon richtig verstanden, Rechnung nicht bezahlen. 
Mir wird auch mitgeteilt, dass mein Problem schon verstanden werde, aber da könne man gerade absolut nichts machen, alle arbeiten daran. Man rufe mich schnellstmöglich an.
Man kennt diesen Satz. Das letzte Mal wurde er mir beim Gespräch mit der Försäkringskassa zuteil.
Ich lege auf 
und gebe auf.
Ich gehe mit der Zimpfelsberger hinaus, sie nagt am Knochen, das Telefonat an mir. 

Und dann stelle ich mir vor, wie ein Mensch in die Zahnarztpraxis geht. Die bereits gestellten, nicht verbuchbaren Rechnungen wurden noch einmal ausgedruckt. Der Mensch steckt die Papiere in einen Aktenkoffer, in so einen aus Kunstleder in Schlangenhautoptik, Modell DDR, steigt damit in ein Auto und fährt mit diesem Auto die 2 km von der  Praxis zur Zentrale der Försäkringskassa. Dort steigt er aus, die Aktentasche an den Leib gepresst, geht in die Zentrale und übergibt sie dort einem anderen Herren. Der wiederum setzt sich an einen PC und tippt die Angaben auf dem Papieren in meine Chronik. Nein, ich korrigiere meine Gedanken. Er tippt die Summen der Rechnungen in einen Taschenrechner, notiert dann handschriftlich die Gesamtsumme auf einem Zettel, und gibt dann telefonisch ein OK, dass nun meine Kostenrechnungen für die weiteren Behandlungen halbiert werden können. Dann steht der zweite Mann auf, und ich weiß, jetzt übertreibe ich wirklich, also er steht auf, zieht einen Ordner aus dem Regal und heftet die Zahnarztrechnungen mit einem handschriftlichen Vermerk ab. Dann schiebt er den Ordner zurück an seinen Platz und schüttelt den Kopf, denn er ist ein wenig ungehalten darüber, dass ihn das ganze jetzt eine halbe Stunde Arbeit gekostet hat. 


25. Oktober 2014

Echter Stress


                          
 
auch nach der Arbeit noch Stress auf dem Nachhauseweg:
EIN sich unaufhaltsam nähernder Gegenverkehr 
                                   


22. Oktober 2014

Der Zimpfelsberger ihr Ohr


Dank neuester technischer Errungenschaften ist es
 nun endlich auch Hunde möglich, nach 
extraterrestrischen Signalen zu lauschen.

Die Zimpfelsberger die hatte mal ein Ohr, ein ganz normales, schönes weiches Hundeohr. Dann hat sie sich die Räude eingefangen, weil sie sich immer mit den Füchsen rumärgern muss die so unverschämt nah am Haus rumhängen. Mit der ganzen Räude muss man sich natürlich dauernd kratzen, auch immer fest am Ohr. 
Da wurde das schöne weiche Hundeohr von Tag zu Tag dicker. Und dann wirkte das Räudemittel, das Antiräudemittel natürlich, und die ganzen Milben kämpften um ihr Leben, und so hats noch viel mehr gejuckt. Und so hats noch viel mehr gekratzt. Mittlerweile von Winslern und Jaulern begleitet. Und es wurde wieder dicker und dicker und dicker, das Ohr.
Der Tierarzt bestätigte, dass da ein Blutgefäß geplatzt ist. Das Ohr wurde punktiert, das Blut abgesaugt. Auf dem Weg vom Distriktveterinär zum Auto bekam die Zimpfelsberger als Folge der Sedierung - und weil die Zimpfelsberger bei allem Hier schreit, was man so haben kann - wieder mal einen epileptischen Anfall. Danach kannte sie sich überhaut nicht  mehr aus, hat nur geschrien und mich gebissen. 
Ganz umsonst war der ganze Krampf natürlich auch noch. der Druckverband und sämtliche Kopfeinwickelversuche haben dem Geschüttel von der Zimpfelsberger nicht stand gehalten. Das Ohr hat sich wieder gefüllt, nach ner Weile trug sie den Kopf schon ganz schief und es wurde wieder dicker und dicker. Jeden Morgen hat man drauf gewartet, dass` doch platzt.

Die Zimpfelsberger mit ihrem Blutohr, in angemessen
tragender Pose vorgestellt

So stand also eine größere OP an. Ohr aufschneiden, alle unerwünschte Füllung raus, dann durch Matratzennähte das ganze zusammen und flach halten. Wir fuhren da also zum Termin hin. Ich verkündete, dass ich den Hund danach wieder mitnehme und nicht erst nachmittags abhole und ihn auch nicht alleine in der Praxis einschlafen und aufwachen lasse wie vorausgesetzt. Ich wusste nicht, ob sie mich annähernd ernst nehmen oder ob ich später nochmal damit anfangen muss. Dann meinten sie, mein Hund wär ja jetzt noch nicht dran, ob ich später kommen will, sie rufen mich an. Ich hab mich halt gefragt, warum ich dann jetzt zu erscheinen hatte und dafür eine Stunde durch den frühen Morgen gefahren bin. Und mir wurde klar, ich hätte das Hundetier einfach abgeben sollen. Und sieben Stunden später wieder abholen. Ziemlich schlaue Sache um einem Hund zu zeigen, dass es sich lohnt, dem Besitzer zu vertrauen.
Also gut, meine neue Lieblingsbeschäftigung, Warten, diesmal immerhin im Form von Gassi gehen und vergeblich nach was zum Essen suchen. Dann war es irgendwann soweit, sie wurde in Narkose gelegt. Danach ging ich und - wartete, gesessen und Kaffee getrunken, Extraheizer für Autoinnenraum gekauft, gesessen, hmm - noch ein Kaffee, rumgesessen. Irgendwann war das durch und sie platzierten mich neben der schlafenden Zimpfelsberger, umgesessen. Gerade als ich mich meinem Sitzundwarteschicksal ergeben wollte passierte was Merkwürdiges.
Der Tierarzt meinte, wenn ich es mir zutraue, dann würde er uns zwei jetzt heim lassen. Wie, was, ich darf selbstverantwortlich handeln, entscheiden, mir wird selbständiges Denken zugetraut, ui! (Zuhause Tag im Kalender rot anstreichen nicht vergessen). Ich werde heute noch etwas anderes tun als Sitzen und Warten, Freiheit ich komme.
Also los, Rest besprochen, schlafenden Hund verladen, Wartezimmer, bezahlen, Apotheke für Köters Medikamente, heim. Ich schleppte die Zimpfelsberger ins Haus und da döste und wirrte  sie so vor sich hin.


Altweibersommer
Tagelang armer Hund, sie konnte kaum biesln gehn, so nervte und schmerzte es und dieser Kopfverband war unerträglich lästig. Die Zimpfelsberger auch. Ich zeitweise auch. Der Herr Dinkelacker nicht.
Zwei Tage später Verband ab,  nur noch der Elisabethanische Kragen, aber das machte es erstmal nicht besser. Den Kopf trug sie ausnahmslos total verdreht, das gesteppte Ohr sollte ihrer Meinung nach immer nach unten hängen. Dadurch wurde sie noch ungeschickter mit diesem Kragen und dann musste man ja auch noch immer so zucken wenn schütteln noch nicht geht. Dadurch entwickelte sie eine völlig fremdartig anmutende Form der Fortbewegung. Wir haben sie liebevoll unser Quasimodo genannt. Sie wimmerte vor sich hin. Aber irgendwann wurde es besser. Für alle.


Medikamentenmissbrauch, ein häufig unterschätztes
 Phänomen bei Haustieren
Jetz springt und rennt sie wieder, holt sich ihr Zweitfrühstück vom Nachbarhund, schüttelt den Kopf vor sich hin und würde gerne wieder auf Fuchsjagd gehen. Und ihre depperten Besitzer haben grad überhaupt keinen Sinn für letzteres. Was die wieder haben.

20. Oktober 2014

Dinner for Sweden

meine kleine Schachtelwelt
Wieso ist es so, dass "Dinner for One" traditionell zur Silvesternacht im deutschsprachigen Raum im Fernsehen gezeigt wird seit ich denken kann? Seit heute nun weiß ich, dass das auch in Schweden der Fall ist. Und keiner weiß warum. Und keiner kennt mal wieder Robert Lemtke .... Die Welt ist ein Mysterium, besonders in den kleinen Dingen.

18. Oktober 2014

Nordversaut



Herr Dinkelacker beim Surfen im WWW: "Aha, da schau her, in Barcelona badns no, mittn im Winter" 



17. Oktober 2014

Assimilation und Widerstand...

Es ist dunkel als ich heim fahr. Natürlich keinerlei Verkehr auf der Strasse. Dann fällt mein Blick auf den Tacho. Ich fahre langsamer als die erlaubte Höchstgeschwindigkeit. Ich kanns nicht fassen. Ich, der hinter einem Trödelrentner fahrend stets den kaum zügelbaren Drang verspürt, einfach in das vorherige Fahrzeug rein zu rauschen und anzuschieben. Ich, der schon zweimal nen Monat ohne Führerschein auskommen musste, wegen "unbelehrbaren Verhalten", in meinem Fall gehäufter erwischter Raserei.


Mittlerweile trag ich also nichtnur ungeniert Jogginghosen außer Haus und öffentlich, lange Unterwäsche im Haus (womit ich nicht unser Haus mein), streich mir ein Brot auf dem Tisch, ohne Teller oder Brett, versteck mich wie ein Fixer, wenn ich eine Zigarette rauch, nein, jetzt bummel ich auch verträumt über Landstraßen... Was wird nur aus mir werden?


10. Oktober 2014

Freitags is immer am längsten


Manch ein Leben ist nicht lang. Ankunft am Hof und in der Realität.



Später weiter zum nächsten Hof. Ich bin verwirrt, ein weiterer öffentlich Rauchender. Alles dauert und es ist mühsam, die Geräte in den Stall zu schaffen. Der Stall ist Scheiße. In mehrfacher Hinsicht. Vor allem wörtlich genommen, man patscht überall in Kuhfladenplörre herum. 
Dann der Auftritt der Woche. Die Frau des Bauern, Kippe in der einen Hand, schönes Gesicht, Piercings, Tattoos, gestylte Fingernägel, laut und temperamentvoll, rauscht durch den Stall und in die Kühe. Leider ist ihre Stimme nicht gerade schön, umso mehr erhebt sie sie. Was für eine außergewöhnlich andere Familie denk ich noch und nehme im gleichen Augenblick wahr, dass sie dänisch miteinander reden. 
Leider gehts dann schief, die Kühe sind nach einer Weile ziemlich durch und wollen nicht mehr. Der Chef ist langsam auch durch und will auch nicht mehr. Die Kühe verstehen nicht, was man von ihnen will. Ich werd sauer über den Umgang mit den Kühen. Der Stall ist eben Scheiße. 
Spät nachts verladen wir, noch eine Notfallkuh wo anders, dort noch eine Mitternachtsfika, dann fahren wir 5 Stunden durch die Nacht. Halb sechs Uhr morgens bin ich daheim. Kurzes Leben für den einen, langer Tag für andere.

9. Oktober 2014

that's not Germany


Wir tingeln für den Rest der Woche im Jämtland herum und heut morgen sieht es hinter  dem Hotel dann so aus: 
Ich freu mich.



Während der Fahrt erzählt mir mein Chef, dass er vor ein paar Tagen Deutsche getroffen hat und sie ham sich unterhalten. Der Chef hat ihnen erzählt, dass er einen Mitarbeiter hat der auch aus Deutschland ist. Es wurde nachgefragt, woher aus Deutschland. Er meint "Bavaria", die meinen "that's not Germany". 

Einfach immer wieder erfrischend, wie Bayern außerhalb Bayerns gesehen wird. Für die Bürger der anderen 15  Bundesländer ist es wunderschöne Landschaft die leider von engstirnigen, verbohrten Grantlern besetzt ist, welche wiederum keinerlei Interesse daran zeigen, sich in irgendeiner Weise deutsch zu fühlen und immer noch einem König hinterher hängen, der das aus dem Volk gepresste Geld mit wahnwitzigen Prachtbauten durch brachte. Für den Rest der Welt hingegen ist häufig Bayern gleich Deutschland, in dem alle in Seppelhosen herumlaufen, Bier trinken und durch Jodeln kommunizieren. Und auch wer gar nichts über Deutschland weiß, der hat zumindest schon vom Oktoberfest gehört.
Und hielt ich mich auch stets von dieser Volkstümelei und Bayernflaggenmentalität fern, empfinde ich Bayern in politischer und gesetzgebender Hinsicht noch immer als unmöglich, die Deutschen, das sind die anderen. Das waren immer die anderen, die die da auch so im Club sind. Die, die statt der CSU eine CDU haben, die mit den rätselhaften Gesamtschulen, die mit den freundlichen Polizisten, die die viel reden und gerne marschieren.
Ich war als Kind schon in Spanien, Italien, Österreich natürlich, aber das gilt nicht, Griechenland, und Irland gewesen, da hatte ich noch nie deutschen Boden jenseits der Ober-und Niederbayerischen Grenzen betreten. 
Das war damals einfach viel weiter weg als heute Nordschweden.



8. Oktober 2014

het gröt

Frühstückstisch gedeckt mit Löffeln und Suppentellern. Alles klar, nix klar. Ich werds schon sehn, wie so oft. Die Tischrunde füllt sich mit Menschen. Ich verstehe nie, wo die dann alle her kommen. Junge Frau mit Baby, älterer Herr mit Ranzen, junger Kerl mit ausgebeulter Snusbefüllter Oberlippe, die Dürre, der Dürre, beide gleich groß und der Hausherr, vermutlich. Hände werden geschüttelt, Namen gesagt, Verwandschaften erläutert. Ich nenn meinen Namen, so an die acht mal, deute mechanisch nickend völligen Überblick an und bemühe mich noch nicht einmal mir irgendwas zu merken. Mein Hirn ist noch nicht wach. Ich glaub, mein Körper eigentlich auch nicht. Dann die Auflösung des Suppenrätsels, ein großer Topf mit Grießbrei wird hin gestellt. Het gröt, eine Variante der schwedische Pampe zum Frühstück. Brot, Butter und Käse gibt es auch. Das gibts ja immer und überall dazu. Großes Erstaunen über meine morgendliche Essensunlust und eine Aufklärung die ich - wer häts gedacht - nicht zum ersten mal in meinen Leben erhalte, dass das Frühstück doch die wichtigste Mahlzeit am Tage sei. Wie immer sind die Leute sehr nett und ich versteh wenig von dem worüber sie sich unterhalten. So beschäftige ich mich mit viel Kaffee trinken und herumstarren. Ein fließender Übergang also zum gestrigen Abend, nichts tun, aushalten, warten, ruhig bleiben.

Dann endlich schlurfen wir alle in unsere Arbeitsklamotten und Gummistiefel. Die Kühe sind so nett und gepflegt wie die Besitzer. Die Arbeit läuft. Mittags pellen wir uns wieder aus unseren stinkigen kuhscheißebespritzten Overalls. Der Bauer, groß, gepflegt, Ohrringe in beiden Ohren, Schnauzbart, wechselt von der Dreckhose in eine schwarze enge Lederhose. Diesmal ist alles klar.

Gegen 6 Uhr abends sind wir nach 80 Kühen am nächsten Stall für weitere 60 Kühe. Und da seh ich ihn. Den ersten Schweden der völlig ungeniert einfach raucht. Einfach so, Kippe in der Hand. Bis dato sind mir so nur Jugendliche untergekommen, die damit ein wenig ihrem rebellischen Geist Ausdruck verleihen wollten.

Der Tag endet spät. Weil mein Chef es vertrödelt hat, rechtzeitig eine Übernachtung zu buchen enden wir in einem noblen Hotel. Schlafen und Frühstücken ist leider alles, was wir hier an Angeboten nutzen.