12. Dezember 2014

Teufel Alkohol



Neulich hatte ich eine Unterhaltung über allerlei Trinkgepflogenheiten hier und anderswo und es endete wo es immer endet, auf der Wiesn.

Beginnen tats damit, dass ich versuchte raus zu finden, warum es so gar keine Kneipen- und Wirtshauskultur gibt in dieser Gegend. Oder sagen wirs so, das hab ich vorgeschoben.

Alkohol.
Dazu muss man wissen, dass sämtliche Spirituosen die eine Umdrehung von 3,5 % überschreiten in Schweden nur in staatlichen Geschäften zu einem stattlichen Preis zu erhalten sind. Wer Alkohol öffentlich als Getränk anbietet, muss auch Mahlzeiten anbieten. Beides teuer.

Alkohol als Abrundung zum Essen zu konsumieren ist ungewöhnlich und verpöhnt.

Wenn trinken, dann Vollgas und Vollsuff, vorzugsweise Freitag Abend mit Vorglühen, gerne mit Prügelei oder Randaliererei abgerundet.

Als völlig daneben gilt auch noch eine andere Sache. So antwortete Herr Dinkelacker an der Kasse eines eben erwähnten Alkoholgeschäfts auf die Frage ob er denn eine Tüte haben wolle ganz unschuldig freundlich mit einem Nein, nein vielen Dank, das sind ja nur zwei Flaschen. Auf dem Weg von der Ausgangstür über den Parkplatz bis zum Auto, die Likörflaschen an die Brust geklemmt vor sich her tragend, dämmerte es ihm. Da draußen, in der öffentlichen Welt des monströsen Parkplatzes begegneten ihm die gleichen seltsamen, schwedisch reserviert entsetzten Blicke, die ihm schon der Kassierer zuwarf. Vermutlich wäre er mit einem rosa Riesendildo unter dem Arm weniger aufgefallen. Also immer schön einpacken, das Teufelszeug.

Das unentspannte Verhältnis zum Alkohol hat in Schweden eine lange Geschichte. Über Sinn und Unsinn und allerlei Gründe ließe sich viel lamentieren.

Nun, sagen wir so, es ist den Bewohnern Skandinaviens wohl immer schon ein Schweres gewesen, ein nun ja angemessenes Verhältnis zum Alkoholkonsum zu haben. Und einmal voll bis zum Rand wird auch der zurückhaltenste schüchternste Schwede wieder zum Wikinger.

Zudem hatte hier einst die evangelisch lutheranische Kirche den Staatsreligionsbonus erhalten und ihre Bestimmung in der totalen Ablehnung jeglicher Form der Lebensfreude gefunden, ganz im Sinne der englischen und amerikanischen Kirchen. Kein Singen, kein Tanzen, kein Saufen.

Das Ganze hatte natürlich zur Folge, dass Schwarzbrennen sich seit jeher äußerster Beliebtheit erfreut und nun erst langsam durch die neue freie Welt der EUweiten Versandbestellungen ersetzt wird.

So also, die Unterhaltung.
Ich meine, in Schweden ists grad andersrum als in Italien, Alkohol gehört da zum Alltag, aber volltrunkene Italiener in der Öffentlich sind mir noch nie begegnet - außer, fällt mir ein, natürlich in München zur Oktoberfestzeit. Mein Gesprächspartner stellt sich als der erster Nichtkenner des Oktoberfestes heraus.

Hm Oktoberfest, was is jetz des. Weltbekanntes Volksfest, also ürsprünglich mal ein Jahrmarkt, aber nun gehts eher darum, in riesigen Zelten an langen Tischen zu sitzen und sich die Hucke voll zu schütten. Mein Gegenüber versteht nicht. Ich mein noch, Bayern is halt katholisch. Der Witz zieht auch nicht, dafür ist die Vorstellung von Katholisch zu weit weg.
Aber, irgendwie schäme ich mich wohl ein bisserl und versuch das Ganze zu neutralisieren, es gibt auch Fahrgeschäfte und lustige Atraktionen erzähle ich, wie eine Köpfungsvorstellung beim Schichtl oder den Flohzirkus. Flohzirkus erntet große Begeisterung, ich beschreib ihn noch ein wenig, mit den kleinen Kutschen und ja, wirklich, echte Flöhe.

Aber diese Trinksache ist nicht vergessen. Ansich gehts um Bier oder wie? Ja, schon, ich gestehe, es ist am Besten, als Münchner um diese Zeit die Stadt zu verlassen, da kommen sie aus aller Welt und sitzen in den überfüllten Bierzelten, trinken schlecht eingeschenktes teures Bier und kotzen anschließend noch ein wenig die Stadt voll. Was ist jetz schlecht eingeschenkt, werde ich gefragt und erhalte höchstmögliche Aufmerksamkeit bei der Erwähnung, dass das Bier in 1l Portionen serviert wird. Naja, das geht noch eine ganze Weile so, ich werde über Lustiges und Kurioses auf der Wiesn ausgefragt. Und dann, dann hat er eine ganz gute Vorstellung davon, was da los ist, und wie bekannt diese Wiesn eigentlich ist. Und dann frägt er mich, wieso denn um Himmelswillen dieses Oktoberfest so bekannt ist und Leute da extra aus dem Ausland hinfahren oder dafür Urlaub nehmen - und da, da stoße ich an meine Grenzen, ich verstumme, ich bin ratlos.

Ich denke immernoch darüber nach.

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