Nun gehts bald nach Deutschland, Ankunft dann am Münchner Flughafen.
Ich bin ganz hin und her gerissen. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, wie ich mit den vielen Menschen, diesem Ubahngedrängel und diesem Konsumwahnsinn zurecht komm. Heute stand in der Apotheke ein Mann mit zirka nem halben Meter Abstand hinter mir. Ich empfand das als unerhört nah und bedrängend. Und erschöpft war ich auch schon, weil ich in zwei Geschäften zwischen unterschiedlichen Produkten auswählen musste. Dann fiel mir meine bevorstehende Heimreise ein und ich musste Lachen - das kann ja was werden.
Und dann freu ich mich natürlich arg, Freunde wieder zu sehen, und meine Mama.
Ja genau, Mama, in Schweden darf man das auch als Erwachsener sagen und schreiben, allerdings dann Mamma (ich sag ja, schwedisch ist für Legastheniker wie mich eine echter Hirnmixer. Da hab ich in Deutschland Jahre gebraucht, um Mama mit nur ein m zu schreiben, jetz sinds wieder zwei m).
Also die Mama sehn, und die Leut und die bucklige Verwandschaft. Und bayerisch hören und reden, und maulige Leut. Vielleicht is sogar a echter Grantler dabei. Und a Leberkassemmel, davon träum ich seit Monaten, an warmen Leberkas in da Semmel.
Und dann weiß ich auch, dass fast alle, bei denen ich übernacht eine Badewanne haben. Wir haben hier keine, und ich war immer der Badewannencomicleser, und das mach ich dann bis mir die Haut ganz runzlig wird. Genau.
Und dann ess ich wieder a Leberkassemmel. Und dann geh ich in a Bäckerei und schau mir einfach an, was es da alles so gibt und mach a Foto für meinen Chef, der kann sich des net vorstellen. Und dann geh i no in a Metzgerei und mach da a a Foto für ihn.
Und rauchen, rauchen, bei Freunden, sogar ganz unvorstellbar im Haus! Und grad zum Trotz setz ich mich mit ner Bierflasche an nen öffentlichen Ort.
Und es ist so lange hell, den ganzen Tag.
Ja, ich werds sehn, und dann vielleicht ganz erschöpft von der vielen Zivilisation und der Hektik und dem zu warmen Wetter wieder heim kehren, zum Herrn Dinkelacker und der Zimpfelsberger am See.
16. Dezember 2014
12. Dezember 2014
Teufel Alkohol
Neulich hatte ich eine Unterhaltung über allerlei Trinkgepflogenheiten hier und anderswo und es endete wo es immer endet, auf der Wiesn.
Beginnen tats damit, dass ich versuchte raus zu finden, warum es so gar keine Kneipen- und Wirtshauskultur gibt in dieser Gegend. Oder sagen wirs so, das hab ich vorgeschoben.
Alkohol.
Dazu muss man wissen, dass sämtliche Spirituosen die eine Umdrehung von 3,5 % überschreiten in Schweden nur in staatlichen Geschäften zu einem stattlichen Preis zu erhalten sind. Wer Alkohol öffentlich als Getränk anbietet, muss auch Mahlzeiten anbieten. Beides teuer.
Alkohol als Abrundung zum Essen zu konsumieren ist ungewöhnlich und verpöhnt.
Wenn trinken, dann Vollgas und Vollsuff, vorzugsweise Freitag Abend mit Vorglühen, gerne mit Prügelei oder Randaliererei abgerundet.
Als völlig daneben gilt auch noch eine andere Sache. So antwortete Herr Dinkelacker an der Kasse eines eben erwähnten Alkoholgeschäfts auf die Frage ob er denn eine Tüte haben wolle ganz unschuldig freundlich mit einem Nein, nein vielen Dank, das sind ja nur zwei Flaschen. Auf dem Weg von der Ausgangstür über den Parkplatz bis zum Auto, die Likörflaschen an die Brust geklemmt vor sich her tragend, dämmerte es ihm. Da draußen, in der öffentlichen Welt des monströsen Parkplatzes begegneten ihm die gleichen seltsamen, schwedisch reserviert entsetzten Blicke, die ihm schon der Kassierer zuwarf. Vermutlich wäre er mit einem rosa Riesendildo unter dem Arm weniger aufgefallen. Also immer schön einpacken, das Teufelszeug.
Das unentspannte Verhältnis zum Alkohol hat in Schweden eine lange Geschichte. Über Sinn und Unsinn und allerlei Gründe ließe sich viel lamentieren.
Nun, sagen wir so, es ist den Bewohnern Skandinaviens wohl immer schon ein Schweres gewesen, ein nun ja angemessenes Verhältnis zum Alkoholkonsum zu haben. Und einmal voll bis zum Rand wird auch der zurückhaltenste schüchternste Schwede wieder zum Wikinger.
Zudem hatte hier einst die evangelisch lutheranische Kirche den Staatsreligionsbonus erhalten und ihre Bestimmung in der totalen Ablehnung jeglicher Form der Lebensfreude gefunden, ganz im Sinne der englischen und amerikanischen Kirchen. Kein Singen, kein Tanzen, kein Saufen.
Das Ganze hatte natürlich zur Folge, dass Schwarzbrennen sich seit jeher äußerster Beliebtheit erfreut und nun erst langsam durch die neue freie Welt der EUweiten Versandbestellungen ersetzt wird.
So also, die Unterhaltung.
Ich meine, in Schweden ists grad andersrum als in Italien, Alkohol gehört da zum Alltag, aber volltrunkene Italiener in der Öffentlich sind mir noch nie begegnet - außer, fällt mir ein, natürlich in München zur Oktoberfestzeit. Mein Gesprächspartner stellt sich als der erster Nichtkenner des Oktoberfestes heraus.
Hm Oktoberfest, was is jetz des. Weltbekanntes Volksfest, also ürsprünglich mal ein Jahrmarkt, aber nun gehts eher darum, in riesigen Zelten an langen Tischen zu sitzen und sich die Hucke voll zu schütten. Mein Gegenüber versteht nicht. Ich mein noch, Bayern is halt katholisch. Der Witz zieht auch nicht, dafür ist die Vorstellung von Katholisch zu weit weg.
Aber, irgendwie schäme ich mich wohl ein bisserl und versuch das Ganze zu neutralisieren, es gibt auch Fahrgeschäfte und lustige Atraktionen erzähle ich, wie eine Köpfungsvorstellung beim Schichtl oder den Flohzirkus. Flohzirkus erntet große Begeisterung, ich beschreib ihn noch ein wenig, mit den kleinen Kutschen und ja, wirklich, echte Flöhe.
Aber diese Trinksache ist nicht vergessen. Ansich gehts um Bier oder wie? Ja, schon, ich gestehe, es ist am Besten, als Münchner um diese Zeit die Stadt zu verlassen, da kommen sie aus aller Welt und sitzen in den überfüllten Bierzelten, trinken schlecht eingeschenktes teures Bier und kotzen anschließend noch ein wenig die Stadt voll. Was ist jetz schlecht eingeschenkt, werde ich gefragt und erhalte höchstmögliche Aufmerksamkeit bei der Erwähnung, dass das Bier in 1l Portionen serviert wird. Naja, das geht noch eine ganze Weile so, ich werde über Lustiges und Kurioses auf der Wiesn ausgefragt. Und dann, dann hat er eine ganz gute Vorstellung davon, was da los ist, und wie bekannt diese Wiesn eigentlich ist. Und dann frägt er mich, wieso denn um Himmelswillen dieses Oktoberfest so bekannt ist und Leute da extra aus dem Ausland hinfahren oder dafür Urlaub nehmen - und da, da stoße ich an meine Grenzen, ich verstumme, ich bin ratlos.
Ich denke immernoch darüber nach.
7. Dezember 2014
Chef und Wirklichkeit
Es is garnet so einfach, wenns drum geht zu erklären, wieso mein Chef, der wirklich ein Netter is und den ich gern mag, mich manchmal so in den Wahnsinn treibt.
Nun is des ja ganz grundsätzlich einfach eine Arbeit bei der sich dauernd alles ändert. Bauern sagen ab, einen Tag bevor wir zu ihnen kämen. Aus 40 Kühen werden, ist man einmal angekommen, auf einmal 25 oder 60 Stück. Der Frontlader, der die Geräte in den Stall hieven soll, ist kaputt, das Wetter spielt nicht mit. All sowas. Arbeitstage, Aufstehzeiten und Feierabende ändern sich ständig. Und es is net einfach, da seinen eigenen Kram irgendwie zu organisieren.
Und da kommt dann noch die Natur von meinem Chef dazu.
Sein Leben:
Familie mit 5 Kindern. A kleine Landwirtschaft. Die Frau arbeitet, wie in Schweden üblich Vollzeit. Seine Arbeit als Klauenschneider ist nicht nur anstrengend sondern auch ziemlich zeitaufwendig, mit bis zu 5 Stunden Anfahrten und jeden Abend zuhause noch LKW und Geräte desinfizieren.
Könnt man jetz meinen, is scho a ganzer Haufen zum Tun, reicht scho.
Aber dann ist er noch Fußballtrainer von ner Jugendmannschaft, im Kirchenverein, musiziert hier und da und in der Politik wird auch noch mitgemischt. Irgendwann, als mal wieder alles kreuz und quer ging und er ganz fertig davon war, hab ich gmeint, dass er vielleicht a bisserl zu viel macht. Dann hat er gemeint, er mag das so. Is auch recht. Jedem seins.
Er kann ja auch damit leben.
Aberichnicht.
Seine Natur:
Dazu hier ein kleines Fallbeispiel.
In der letzten Novemberwoch schickt mir mein Chef, besser gsagt sei Frau, den Plan für Dezember. Also an welchen Tagen arbeit is, wann ich morgens da sein soll, wie viele Kühe ungefähr und wann ca. zuhause.
(Nachdem ich am Anfang von Tag zu Tag nie wusste wies weiter geht bzw. sich alles ständig geändert hat, und ich dann ständig alles andere ändern musste, hab ich sie dazu genötigt, mir immer so einen Arbeitszeitplan zu machen.)
Also ich schau so den Plan durch und schau so und schau dann auf einmal a bisserl blöd.
Weil da steht, dass wir in einer Woche 2 mal hintereinander auswärtig übernachten, Dienstag bis Donnerstag sind wir auf Tour. Denn darauf folgenden Freitag sind wir komischerweise in der gleichen Gegend, fahren aber Donnerstag heim und Freitag morgen wieder hin.
Ich wusste net, dass in dem Jahr nochmal Übernachtungen anstehen und bin auch nicht begeistert, weil dass für mich nicht mehr Geld sondern nur mehr Zeit bedeutet. Abends in irgend einem Zimmer Zeit totschlagen und warten auf den nächsten Tag zum weiterarbeiten.
Für den Herrn Dinkelacker heißt das, irgendwie den Hund mit der Arbeit organisieren, dass die Zimpfelsberger morgens noch Auslauf und Futter und nachmittags noch Bewegung bekommt und nicht vereinsamt. Klingt nicht so schwierig, ist es aber wenn man bedenkt, dass es bis 8 und ab 15 Uhr dunkel ist, stockdunkel.
Mein Chef erklärt mir später, dass wir jenen Donnerstag deswegen heimfahren, weil er da ein Treffen hat, das er nicht verpassen will. Sowas in der Art dacht ich mir schon.
Ich vereinbare mit der Autowerkstatt, dass ich ihnen in der Woche in der ich weg bin, den Subaru Dienstag morgen hinstelle und ihn Donnerstag abends wieder abhole, sie können den Kabelschaden in der Zeit reparieren wann sie wollen, weil ich bin ja eh auswärtig.
Mit dem Chef mach ich aus, dass er mich Dienstags um 6 Uhr morgens da an der Werkstatt aufsammelt.
Am Abend vorher pack ich also meine Krempel für zwei Nächte und drei Tage zusammen, da ruft der Chef durch und meint, ob wir uns morgens wo anders treffen können, da an der Werkstatt ist es doch nicht so günstig für ihn. Gut, dann fahren am nächsten Morgen der Herr Dinkelacker, der eigentlich später los wollte und ich im Konvoi zur Werkstatt und dann fährt mich Herr Dinkelacker noch zu meinen Treffpunkt und dann weiter in seine Arbeit.
Als mein Chef und ich dann für die nächsten Stunden so durch die morgendliche Finsternis fahren, meint er, wir übernachten nur einmal und fahren morgen, also Mittwoch abend doch heim, denn am Mittwoch ist um 18 Uhr eine Vereinssitzung von dem Kirchenzeugs, dass wär ihm wichtig.
Ich verkneif mir die Frage, wieso er mir dass jetz erst sagt und nehme an, dass sich das vielleicht erst gestern kurzfristig ergeben hat.
Dann arbeiten wir und übernachten ganz wunderbar als einzige Gäste in einem großen Haus in der Einsamkeit.
Am nächsten Tag rufe ich in der Werkstatt an und frage, ob ich vielleicht das Auto schon heut wieder holen könnte. Der Mann von der Werkstatt ist verwirrt und frägt, ob wir nicht Donnerstag ausgemacht hätten. Ich meine, doch doch, ja, es hätte sich bloß etwas geändert und ich käme heute schon wieder heim, so um fünf könnt ichs holen, sag ich noch, denn mein Chef will ja um 6 bei der Sitzung sein. Der Mechaniker sagt, er versuchts und schickt mir dann ne SMS.
Dann arbeiten wir an einem wirklich schönen Fleckchen Erde, zwischen Wald, Feld und See.
Also wir dort los fahren meint der Chef, ob ich denn heute mein Auto bekäme, wie käm ich denn sonst morgen zu ihm. Ich sage ihm, ich weiß noch nichts genaues, da die in der Werkstatt ja dachten, sie hätten noch einen Tag. Ob ich schon mit ihnen dort gesprochen hätte? Ich sag ja, die wissen bescheid und versuchens hin zu bekommen. Er meint ich soll doch nochmal anrufen. Ich sag nein, ich wart jetz mal ab, es ist ja erst mittag. Und denken tu ich mir, dass ich denen nicht dauernd auf die Nerven gehen will, nur weil mein Chef mir das nicht früher sagen konnte.
Während des Heimfahrens klingelt ChefensTelefon, na das klingelt eigentlich dauernd, aber diesmal bekomme ich mit, dass er zu sagt, noch wo nen Zwischenstop einzulegen und 4 akute Hinkefußfälle zu behandeln. Ich wundere mich, denn zeitlich ist das nicht mehr drin, wegen seinem Termin halt. Er legt auf und sagt mir, wir machen noch wo 4 Akutfälle, die hat er nämlich zwei Tage zuvor vergessen und versetzt, sodass er jetzt schlecht nein sagen kann. Irgendwann bekom ich die SMS, dass mein Auto fertig ist. Muss jetz aber darum bitten, den Schlüssel auf dem Reifen zu legen, da ich es zu den Werkstattöffnungszeiten doch nicht mehr schaffe.
Wir machen die vier anderen Kühe, mein Chef ist, so ruhig er auch versucht zu bleiben heillos gestresst und wir viel zu spät. Aus irgendeinem Grund ruft mein Chef bei der Autowerkstatt an und spricht da irgendwas wegen meinem Schlüssel auf den AB. Ich atme tief durch.
Er setzt mich wenig später beim Auto ab und verschwindet in der Nacht.
Am nächsten Morgen fahr ich zu ihm, und im LKW Platz genommen, frage ich ihn bei dem üblichen Wie-gehts-Begrüßen, ob er es gestern noch irgendwie zum Treffen geschafft hat. Er meint,ach nein nein, er hätte sich vertan, das Treffen war garnicht gestern, dass sei heute.
Ich weiß nicht wo ich hin schauen soll.
Da war kein zweites Treffen, keine Verschiebung, da war immer nur dieses eine Treffen, das am Donnerstag abend, das von dem er mir schon erzählt hat.
Immer wieder ziehts mir die Mundwinkel hoch.
Und während ich so verloren in mich hinein grinse klingelt wieder sein Telefon. Am anderen Ende ist jemand, der frägt, wann wir den kämen, er warte bereits eine Weile. Es ist nicht die Person, zu der wir an diesem Tag fahren, es ist die Person, mit der mein Chef für diesen Tag auch einen Termin ausgemacht hat.
Ich erinnere mich da an das Gespräch, dass wir gestern hatten, wo er meinte, er schreibe alles in einen Kalender, daheim, und bis dahin könne er sich schon immer alles merken. Dann erinnere ich mich noch an seine Worte, einst, dass er eigentlich nie etwas vergesse, ich bräuchte das nicht aufschreiben für ihn mit den Sachen die er nachkaufen musste.
Mein Chef spricht nach seinem letzten Telefonat lange nicht, er hält sich mit beiden Händen am Lenkrad fest und starrt hinaus.
Ich habe Zeit und hänge meinen Gedanken nach.
Natürlich schaffen wir es auch heute nicht rechtzeitig nach Hause. Eine Stunde nach dem sein Treffen begonnen hat, kommen wir vor seinem Haus an. Und zu dem Treffen ists sicher auch nochmal ne halbe Stunde Fahrt.
Ich kratz mein Auto frei und fahr heim.
Am nächsten Morgen frage ich diesmal nicht nach, wies denn jetz mit dem Treffen lief. Und er sagt keinen Ton darüber.
Warum?
...Ich wills nicht wissen...
Nun is des ja ganz grundsätzlich einfach eine Arbeit bei der sich dauernd alles ändert. Bauern sagen ab, einen Tag bevor wir zu ihnen kämen. Aus 40 Kühen werden, ist man einmal angekommen, auf einmal 25 oder 60 Stück. Der Frontlader, der die Geräte in den Stall hieven soll, ist kaputt, das Wetter spielt nicht mit. All sowas. Arbeitstage, Aufstehzeiten und Feierabende ändern sich ständig. Und es is net einfach, da seinen eigenen Kram irgendwie zu organisieren.
Und da kommt dann noch die Natur von meinem Chef dazu.
Sein Leben:
Familie mit 5 Kindern. A kleine Landwirtschaft. Die Frau arbeitet, wie in Schweden üblich Vollzeit. Seine Arbeit als Klauenschneider ist nicht nur anstrengend sondern auch ziemlich zeitaufwendig, mit bis zu 5 Stunden Anfahrten und jeden Abend zuhause noch LKW und Geräte desinfizieren.
Könnt man jetz meinen, is scho a ganzer Haufen zum Tun, reicht scho.
Aber dann ist er noch Fußballtrainer von ner Jugendmannschaft, im Kirchenverein, musiziert hier und da und in der Politik wird auch noch mitgemischt. Irgendwann, als mal wieder alles kreuz und quer ging und er ganz fertig davon war, hab ich gmeint, dass er vielleicht a bisserl zu viel macht. Dann hat er gemeint, er mag das so. Is auch recht. Jedem seins.
Er kann ja auch damit leben.
Aberichnicht.
Seine Natur:
Dazu hier ein kleines Fallbeispiel.
In der letzten Novemberwoch schickt mir mein Chef, besser gsagt sei Frau, den Plan für Dezember. Also an welchen Tagen arbeit is, wann ich morgens da sein soll, wie viele Kühe ungefähr und wann ca. zuhause.
(Nachdem ich am Anfang von Tag zu Tag nie wusste wies weiter geht bzw. sich alles ständig geändert hat, und ich dann ständig alles andere ändern musste, hab ich sie dazu genötigt, mir immer so einen Arbeitszeitplan zu machen.)
Also ich schau so den Plan durch und schau so und schau dann auf einmal a bisserl blöd.
Weil da steht, dass wir in einer Woche 2 mal hintereinander auswärtig übernachten, Dienstag bis Donnerstag sind wir auf Tour. Denn darauf folgenden Freitag sind wir komischerweise in der gleichen Gegend, fahren aber Donnerstag heim und Freitag morgen wieder hin.
Ich wusste net, dass in dem Jahr nochmal Übernachtungen anstehen und bin auch nicht begeistert, weil dass für mich nicht mehr Geld sondern nur mehr Zeit bedeutet. Abends in irgend einem Zimmer Zeit totschlagen und warten auf den nächsten Tag zum weiterarbeiten.
Für den Herrn Dinkelacker heißt das, irgendwie den Hund mit der Arbeit organisieren, dass die Zimpfelsberger morgens noch Auslauf und Futter und nachmittags noch Bewegung bekommt und nicht vereinsamt. Klingt nicht so schwierig, ist es aber wenn man bedenkt, dass es bis 8 und ab 15 Uhr dunkel ist, stockdunkel.
Mein Chef erklärt mir später, dass wir jenen Donnerstag deswegen heimfahren, weil er da ein Treffen hat, das er nicht verpassen will. Sowas in der Art dacht ich mir schon.
Ich vereinbare mit der Autowerkstatt, dass ich ihnen in der Woche in der ich weg bin, den Subaru Dienstag morgen hinstelle und ihn Donnerstag abends wieder abhole, sie können den Kabelschaden in der Zeit reparieren wann sie wollen, weil ich bin ja eh auswärtig.
Mit dem Chef mach ich aus, dass er mich Dienstags um 6 Uhr morgens da an der Werkstatt aufsammelt.
Am Abend vorher pack ich also meine Krempel für zwei Nächte und drei Tage zusammen, da ruft der Chef durch und meint, ob wir uns morgens wo anders treffen können, da an der Werkstatt ist es doch nicht so günstig für ihn. Gut, dann fahren am nächsten Morgen der Herr Dinkelacker, der eigentlich später los wollte und ich im Konvoi zur Werkstatt und dann fährt mich Herr Dinkelacker noch zu meinen Treffpunkt und dann weiter in seine Arbeit.
Als mein Chef und ich dann für die nächsten Stunden so durch die morgendliche Finsternis fahren, meint er, wir übernachten nur einmal und fahren morgen, also Mittwoch abend doch heim, denn am Mittwoch ist um 18 Uhr eine Vereinssitzung von dem Kirchenzeugs, dass wär ihm wichtig.
Ich verkneif mir die Frage, wieso er mir dass jetz erst sagt und nehme an, dass sich das vielleicht erst gestern kurzfristig ergeben hat.
Dann arbeiten wir und übernachten ganz wunderbar als einzige Gäste in einem großen Haus in der Einsamkeit.
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Landwirtschaft in Nordschweden:
typischer Kuhstall, im Schein der Nachmittagssonne
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| Hoffnung in Nordschweden: letzte Arbeiten, nur noch 3 Stunden Heimfahrt, dann Feierabend |
Am nächsten Tag rufe ich in der Werkstatt an und frage, ob ich vielleicht das Auto schon heut wieder holen könnte. Der Mann von der Werkstatt ist verwirrt und frägt, ob wir nicht Donnerstag ausgemacht hätten. Ich meine, doch doch, ja, es hätte sich bloß etwas geändert und ich käme heute schon wieder heim, so um fünf könnt ichs holen, sag ich noch, denn mein Chef will ja um 6 bei der Sitzung sein. Der Mechaniker sagt, er versuchts und schickt mir dann ne SMS.
Dann arbeiten wir an einem wirklich schönen Fleckchen Erde, zwischen Wald, Feld und See.
Also wir dort los fahren meint der Chef, ob ich denn heute mein Auto bekäme, wie käm ich denn sonst morgen zu ihm. Ich sage ihm, ich weiß noch nichts genaues, da die in der Werkstatt ja dachten, sie hätten noch einen Tag. Ob ich schon mit ihnen dort gesprochen hätte? Ich sag ja, die wissen bescheid und versuchens hin zu bekommen. Er meint ich soll doch nochmal anrufen. Ich sag nein, ich wart jetz mal ab, es ist ja erst mittag. Und denken tu ich mir, dass ich denen nicht dauernd auf die Nerven gehen will, nur weil mein Chef mir das nicht früher sagen konnte.
Während des Heimfahrens klingelt ChefensTelefon, na das klingelt eigentlich dauernd, aber diesmal bekomme ich mit, dass er zu sagt, noch wo nen Zwischenstop einzulegen und 4 akute Hinkefußfälle zu behandeln. Ich wundere mich, denn zeitlich ist das nicht mehr drin, wegen seinem Termin halt. Er legt auf und sagt mir, wir machen noch wo 4 Akutfälle, die hat er nämlich zwei Tage zuvor vergessen und versetzt, sodass er jetzt schlecht nein sagen kann. Irgendwann bekom ich die SMS, dass mein Auto fertig ist. Muss jetz aber darum bitten, den Schlüssel auf dem Reifen zu legen, da ich es zu den Werkstattöffnungszeiten doch nicht mehr schaffe.
Wir machen die vier anderen Kühe, mein Chef ist, so ruhig er auch versucht zu bleiben heillos gestresst und wir viel zu spät. Aus irgendeinem Grund ruft mein Chef bei der Autowerkstatt an und spricht da irgendwas wegen meinem Schlüssel auf den AB. Ich atme tief durch.
Er setzt mich wenig später beim Auto ab und verschwindet in der Nacht.
Am nächsten Morgen fahr ich zu ihm, und im LKW Platz genommen, frage ich ihn bei dem üblichen Wie-gehts-Begrüßen, ob er es gestern noch irgendwie zum Treffen geschafft hat. Er meint,ach nein nein, er hätte sich vertan, das Treffen war garnicht gestern, dass sei heute.
Ich weiß nicht wo ich hin schauen soll.
Da war kein zweites Treffen, keine Verschiebung, da war immer nur dieses eine Treffen, das am Donnerstag abend, das von dem er mir schon erzählt hat.
Immer wieder ziehts mir die Mundwinkel hoch.
Und während ich so verloren in mich hinein grinse klingelt wieder sein Telefon. Am anderen Ende ist jemand, der frägt, wann wir den kämen, er warte bereits eine Weile. Es ist nicht die Person, zu der wir an diesem Tag fahren, es ist die Person, mit der mein Chef für diesen Tag auch einen Termin ausgemacht hat.
Ich erinnere mich da an das Gespräch, dass wir gestern hatten, wo er meinte, er schreibe alles in einen Kalender, daheim, und bis dahin könne er sich schon immer alles merken. Dann erinnere ich mich noch an seine Worte, einst, dass er eigentlich nie etwas vergesse, ich bräuchte das nicht aufschreiben für ihn mit den Sachen die er nachkaufen musste.
Mein Chef spricht nach seinem letzten Telefonat lange nicht, er hält sich mit beiden Händen am Lenkrad fest und starrt hinaus.
Ich habe Zeit und hänge meinen Gedanken nach.
Natürlich schaffen wir es auch heute nicht rechtzeitig nach Hause. Eine Stunde nach dem sein Treffen begonnen hat, kommen wir vor seinem Haus an. Und zu dem Treffen ists sicher auch nochmal ne halbe Stunde Fahrt.
Ich kratz mein Auto frei und fahr heim.
Am nächsten Morgen frage ich diesmal nicht nach, wies denn jetz mit dem Treffen lief. Und er sagt keinen Ton darüber.
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