18. Januar 2015

Daheim und Zuhause


Dieses Bild meiner kürzlich unternommenen
Studienreise belegt eindeutig, dass auch in
Schwaben Gnome zuhause sind.
Ja, ich bin zurück.
Nicht dass ich je weg war.
Aber nun zurück an der Tastatur, zurück um Ausschnitte meines ganz gewöhnlichen kleinen Alltagslebens ganz furchbar wichtig ins Netz zu stellen.
Und wieder zurück aus Deutschland.
Herr Dinkelacker kauert gerade auf dem See vor einem Eisloch und versucht erfolgreich Fische dazu zu animieren, sich an einen kleinen Haken zu hängen. Die Zimpfelsberger versucht erfolglos einen Knochen im Garten zu vergraben und muss sich wegen des Bodenfrosts damit zufrieden geben, ihn mit Schnee zu bedecken.

Ich bin wieder daheim.
Davor war ich zuhause.
Daheim ist am Trehörninger See, Tavelsjö, Umea, Västerbotten, Nordschweden.
Zuhause ist in Burghausen und in Niederbayern und im Holzland und westlich von München und bei Ravensburg, alles Süddeutschland.

Wie schon Sir Quickly einst postulierte, a Dahoam is a Dahoam, damit ma weg foht und wieda hoam kummt. So hab ichs auch gemacht.
Abflug von Umea aus. Beim Warten aufs an Bord dürfen saß ich neben ein paar Dänen, tja die wollten wohl über die Feiertage auch Heim, oder nach Haus, je nach dem. Da schaltete mein Gehirn langsam um, von Skandinavien nach Deutschland. Und so sprachen diese Dänen dann doch mehr und mehr astreines Schwäbisch.
Flughafen Stockholm:
ich bin verstört, soviel Zugeständnis
 an die Raucher,
und das in Schweden

Auf dem Weiterflug von Stockholm nach München habe ich mich noch immer geweigert, deutsch zu reden. Zumal hinter mir mein Sinnbild des Münchner Wichtigtuers saß. Ein junger Mann, mehr ein Bub im Anzug und mit Managergehabe, für das er genauso wie für den Anzug viel zu jung war. Er ereiferte sich über den Stress im Büro, der ihm bevor stehe und dann "auch das noch", womit er die Verspätung meinte, die letztendlich ganze 15 Minuten betrug. Ich dachte "Deutsche" und schmunzelte im selben Augenblick über meinen Gedanken.
Die erste Tat, nach meiner Landung zuhause in München, warme Jacke weg gepackt, Leberkässemmel gekauft, mit Euro bezahlt. Angekommen. Im Moment als ich den Weg durch den Münchner Flughafen fand war alles wieder wie bekannt. Außer vielleicht der etwas verwirrenden Tatsache dass ich mich mit Deutsch verständigen konnte.


Angekommen in München:
Augustiner und Jogginghose,
was will man mehr!
Die folgenden Tage tingelte ich von Freund zu Freund, von Verwandschaft zu Verwandschaft. Von München nach Tüssling, nach Burghausen, nach Altötting, nach Aldersbach, nach Wegscheid, nach Töging, nach Winhöring, nach Horgenzell, nach Weßling, nach Alling, nach Erdweg und schließlich wieder zum Münchner Flughafen.
Im Sinne meiner Mutter, die unweigerlich alles in Zahlen packt, was ihr unterkommt, hier eine kleine nummerische Zusammenfassung: 19 Tage Süddeutschland, an jedem dieser Tage über 9 Stunden Tageslicht. 5 Tage Schnee. 21 Besuche und über 60 Freunde, Verwandte und Nachwuchs der selben. 13 Hunde begrüßt, 9 Katzen gekrault, einen Sittich und 28 Pferde wiedererkannt. 12 mal den Rucksack gepackt, 4 Pakete nach Hause geschickt, 3 mal in der Badewanne gelegen.
Es gab Leberkässemmeln,  Münchner Sinnlosgestresse, Weihnachtseinkaufwahnsinn am Marienplatz, Bäckereien, Bayerisch reden, Schneespaß mit Kinder, Weißbier, Rauch, Weißwürst, meine Mama natürlich, Kinderlachen, Abschiedstränen, Geigendrama, Zug und Auto fahren, Buchenwälder bewundern und viel viel Zeit mit lieben guten Menschen genießen.


Silvester im Schnee: nicht Schweden, nein Schwaben
Zum ersten Mal hab ich alles als Besucher betrachtet. Hab schöne Augenblicke und Anblicke in mich aufgesaugt, hab die Tiere und Menschen betrachtet, hab mir für alles Zeit gelassen, hab beobachtet, über Situationen gelacht und in die Nacht gelauscht.
Tourist sein dort, wo man sich am besten auskennt, die Sprache und die Kultur versteht und Menschen hat, die man liebt. Nie habe ich meine Heimat so gesehen wie in diesen Wochen. So entspannt, so versöhnt, so zufrieden.



Mein Bett wurde sogar vorgewärmt


    Als es an den Heimflug ging, war es auch wieder richtig. Da hörte ich Schwedisch und freute mich.
Am Stockholmer Flughafen ging ich aufs Klo. Und als ich die Tür öffnete, genau, da fiels mir auf, keine Geschlechterbildchen dran. Auf einen Schlag fühlte ich mich, als ob ich aus dem Urlaub zurück gekehrt bin in die Zivilisation. Keine Ahnung, wieso mich dieses Gefühl überkam.
Ich überbrückte die Wartezeit mit  Burger essen und zögerte, ob ich das wirklich mit den Finger tun kann. Neben mir ein tätoowierter Langhaariger in schwarzer Lederjacke, seinen Burger mit Plastikbesteck essend, wie viele andere auch. Von meinem allerersten Besuch in Schweden blieb mir genau das in Erinnerung, Bauarbeiter die ihre Burger mit Besteck gegessen hatten.
Während ich mein Fastfood dann doch mit den Händen aß schaute ich auf das Gewusel in der Halle unter mir. Die Halle war hell, weit und freundlich, darin bewegten sich Gestalten, dunkel und ruhig. Keine einzige Jacke hatte eine andere Farbe als Schwarz. Farbenfroh ist kein Wort das mit dem schwedischen Kleidunsstil in Zusammenhang gebracht werden könnten. Jogginghosen die optisch an Schlafanzughosen erinnern schon eher, getragen zu jeder Gelegenheit, eben auch am Flughafen. Und dann gab es natürlich wieder eine ganze Menge von diesem ganz eigenen Schlag junger schwedischer Schniegelbubis.  Alles klar, wieder daheim.

Kurz nachdem ich am See angekommen bin kommt auch endlich mehr Schnee und Kälte nach Västerbotten. Ski werden rausgeholt, die Zimpfelsberger vorgespannt, Rentiere ziehen über Nachbarns Wiesen. Und ich habe mal wieder einen Zahnarzttermin. Spätestens da weiß ich, ich bin zurück: im Wartezimmer läuft die Glotze und ich komme zur vereinbarten Zeit sofort an die Reihe.

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